Kategorie: lesenswertliste

Zum Deutschen Buchpreis: Meine Shortlist 2014

imageAlle Jahre wieder: Am 6. Oktober, zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse, wird zum zehnten Mal der mit insgesamt 37.500 Euro (25.000 Euro + 5x 2.500 Euro) dotierte Deutsche Buchpreis vergeben.

Mediale Aufmerksamkeit ist allen Nominierten sicher. Die ausgezeichneten Titel avancieren sogar regelmäßig zu Bestsellern des Herbst- und Weihnachtsgeschäftes. In den Feuilletons wurde die diesjährige Juryentscheidung jedoch schon vorab kritisiert. Die Longlist sei unvollständig, beziehe die wichtigsten Bücher des Jahres nicht mit ein, auf der Shortlist fehlten die besten Titel der Longlist.

Heuer auf der Shortlist: Angelika Klüsendorf: „April“ / Lutz Seiler: „Kruso“ / Thomas Hettche: „Pfaueninsel“ / Thomas Melle: „3000 Euro“ / Getrud Leutenegger: „Panischer Frühling“ / Heinrich Steinfest: „Der Allesforscher“image

Da für mich gute Lektüre ohnehin Geschmacksache ist, habe ich die breite Kritik zum Anlass genommen, einmal meine eigene Shortlist zusammenzustellen.

Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, hierzu nicht alle 20 Titel der Longlist ganz gelesen zu haben. Vielmehr habe ich das kleine graue Büchlein zur Hand genommen, das der Börsenverein des Buchhandels herausgibt, um Autoren und Titel der Longlist jeweils mit Leseprobe vorzustellen. Wer es mir gleichtun will, das Büchlein ist kostenlos oder für 2,50 Euro in vielen Buchhandlungen erhältlich.

Longlist Büchlein 2014Hier kommt nun also meine Shortlist:

Stilistisch besonders angesprochen hat mich Lukas Bärfuss‘ „Koala“, eine Reflexion über den Selbstmord des Bruders des Autors. Der Schweizer saß ursprünglich an einem ganz anderen Roman, als er die Nachricht vom Freitod seines Bruders erhielt und sich in der Folge entschied, dem Toten sein nächstes Buch zu widmen. In „Koala“ beschreibt er zwei grundverschiedene Männer und deren von der Verpflichtung zur familiären Bindung gekennzeichnete Beziehung. „Koala“ ist auch für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Typisch österreichisch-melacholisch, kabarettistisch anmutend und oft schwarzhumorig und damit absolut lesenswert erscheint mir auch Antonio Fians „Das Polykrates-Syndrom“. Darin erzählt der Autor auf tragisch-komische Weise wie ein Leben aus den Fugen gerät und beim Lesen schmunzele ich unwillkürlich auch an den traurigen Stellen.

Thomas Hettches „Pfaueninsel“ begeistert mich als ebenso kluger wie außergewöhnlicher Historienroman. Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert und erzählt in der Kulisse der gleichnamigen Havelinsel, einer königlichen Architektur- und Gartenbauenklave, die dramatische Liebes- und Dreiecksgeschichte der Zwergin Marie, ihres Bruders Christian und des Hofgärtnerneffen Gustav, wobei das Geschwisterpaar zunehmend erleben muss, wie die eigene Andersartigkeit sich mit dem Zeitgeist grausam verstärkt.

Die Personenkonstellation ist es, was mich an Michael Köhlmeiers Roman „Zwei Herren am Strand“ über die Begegnungen und Gespräche von Winston Churchill und Charlie Chaplin interessiert. Stilistisch hat mich Köhlmeier zuletzt in „Joel Spazierer“ begeistert, der Vorarlberger schreibt Literatur im Plauderton.

Im Falle von Christoph Poschenrieders Roman hat die Eingangsszene, in der ein gut gekleideter Mann im Berlin des Jahres 1915 säckchenweise Sand in der Stadt verstreut, mein Interesse geweckt. „Das Sandkorn“ spielt während des Ersten Weltkrieges, kommt jedoch ganz ohne Kriegsgeschehen aus und erzählt die Geschichte eines homosexuellen Archäologen auf den Spuren Friedrichs II in Apulien und natürlich die Geschichte eines Sandkorns.

Den außergewöhnlichsten wenn auch nicht gerade den uneitelsten Romaneinstieg liefert schließlich Heinrich Steinfest mit „Der Allesforscher“, der Geschichte eines Managers, der infolge eines Ubfalls mit einem Wal zum Bademeister wird. Ebenso wie die ersten Seiten des Buches macht mich diese Vorschau neugierig.

Bleibt abschließend eigentlich nur die Frage: Wer gewinnt den Deutschen Buchpreis 2014? – Mein Tipp: Lutz Seiler für seine Robinsonade „Kruso“. Dennoch werde ich diesen Roman sehr wahrscheinlich nicht lesen.

LESEN ODER NICHT LESEN – die DO’s und DON’T’s der Woche!

DO! Kurz vor dem Wochenende ist mir noch eine lesenswert leichte Lektüre auf den Schreibtisch geflattert: Das neue Lifestyle- und Einrichtungs-Magazinchen Couch. Die kleine Schwester von Schöner Wohnen aus der Zeitschriftenfamilie Gruner und Jahr sieht ein bisschen aus wie die Glamour für Wohnstyling. Und beim Durchblättern und Hineinlesen zeigt sich, sie macht ebenso viel Spaß. Das handliche Magazinchen (im Pocket-Format) liest sich wie ein niedlich kommentierter Ikea-Katalog gespickt mit praktischen Tipps, Home-Storys und Designerportraits, ist schick bebildert und somit die Art leichte Lektüre, die man herzlich gerne Wintersonntags mit auf die Couch nimmt. DON’T! Deutlich weniger begeistert hat mich leider die aktuelle Ausgabe des Prinz. Das Stadtmagazin habe ich seit geschätzten 15 Jahren abonniert. Heute habe ich gekündigt. Seit dem letzten Relaunch ist der Prinz nur noch ein Abklatsch seiner selbst. Die Grafikabteilung wurde augenscheinlich komplett wegrationalisiert, von durchdachtem Layout keine Spur. Die Themen der Februar-Ausgabe sind allesamt nicht neu. – Wie oft habe ich in den letzten Jahren den großen Fitness-Studio-Test gelesen? – Aktuelle Reportagen oder Geschichten aus den Städten fehlen ganz, statt dessen versucht der Verlag den Verkauf jetzt mit Rabatt-Coupons anzukurbeln. Und die Kurzbesprechungen aus den Standardkategorien Gastro, Film, Musik, Shopping und Nightlife sind zwar oft treffend, aber in Zeiten des Internet leider wahrlich den Kauf einer Zeitschrift nicht wert. – Schade um den Prinz!

Die Lesenswertliste der Woche

Platz 1. Nino Haratischwili, Juja: Eine Geschichte über die Bedeutung von Geschichten. Herausragend geschrieben.

Platz 2. Maxim Gorki, Kinder der Sonne: Zwei Wissenschaftler, ein Künstler, eine Kranke, ein Tierarzt, eine reiche Witwe und ein Hausmeister begegnen sich täglich und tauschen sich aus. Dabei kreisen sie um einander, um Liebe, Politik und den Sinn des Lebens, sind idealistisch und desillusionioniert – damals wie heute von bestürzender Aktualität.

Platz 3. Mohsin Hamid, Der Fundamentalist, der keiner sein wollte: Auf einem Platz in Lahore trifft ein Pakistani auf einen amerikanischen Reisenden und lädt ihn auf einen Tee ein. Es folgt eine einseitige Konversation mit ungewissem Ende. Klingt banal, aber was Hamid daraus macht ist sehr beeindruckend. Extrem geschickter Spannungsaufbau (anfangs merkt man es kaum), wunderbare Sprache und ein grandioses Ende, was dazu verführt das Buch gleich wieder zu lesen.

Platz 4. Tschingis Aimatow, Dshamilja: Wunderschöne Liebesgeschichte um eine selbstbewusste Frau.

Platz 5. Jörg Maurer, Niedertracht, das Hörbuch vom Autor gelesen: Sehr schöner Alpenkrimi mit viel Lokalkolorit, abgründiger, aber nicht zu gewalttätiger Handlung, glänzend vom Autor in den verschiedenen Idiomen des Alpenraumes gesprochen.

Platz 6. Haruki Murakami, 1Q84: Der wahrscheinlich populärste, weil westlichste japanische Autor der Gegenwart ist ein Meister der Verschmelzung von Alltagsbeschreibungen und phantastischer Literatur. Und weil er es außerdem schafft, uns seine liebenswerten Charaktere nahe zu bringen, gehören die drei Bände von 1Q84 auf jede Lesenswertliste.

Platz 7. Dieter Baake, Jugend und Jugendkulturen: Lesenswertes Sachbuch eines deutschen Wissenschaftlers und Professors für Pädagogik über Ursprünge und Inhalte von Jugendkulturen vom Beatnik bis zum Raver.

Platz 8. Fabio Volo,  Noch ein Tag und eine Nacht: Romantische Lovestory vor der Kulisse Manhattans. Sehr anrührend ohne kitschig zu sein. In einer Nacht verschlungen!

Platz 9. Anton Tschechow, Onkel Wanja: Pointierte Szenen aus einem trostlos gewordenen Landleben. Onkel Wanja hat sein Leben lang rechtschaffen gearbeitet und ein Landgut verwaltet, dessen Erträge er nicht eingenommen hat. Als er erkennt, dass der Eigentümer nicht das intellektuelle und integere Vorbild ist, was er vorgab zu sein, resigniert er und verfällt dem Alkohol.

Platz 10. Elfriede Jelinek, Der kleine Niko: „Es hat alles aufgehört. Da hört sich ja alles auf! Nein, nein, es hat schon aufgehört. Haben Sie das denn nicht gemerkt? Merken Sie sich, dass alles aufgehört hat, sonst sehen Sie es nicht“, schreibt Elfriede Jelinkek und meint damit die Pressefreiheit im Allgemeinen, die Unabhängigkeit des ORF im Besonderen und sieht nebenbei bereits das Ende der Sozialdemokratie voraus. „Die Sozialdemokratie als Maßschneiderei für Karrieren, so endet sie.“ Damit reagiert die österreichische Literaturnobelpreisträgerin auf die angekündigte Einsetzung des 25-jährigen Niko Pelinka – Sohn eines Chefredakteurs, Neffe eines Politikwissenschaftlers und quasi von klein auf SPÖ-Mitglied – als Büroleiter des ORF Generaldirektors Alexander Wrabetz. „Dieses Unternehmen wurde gegründet, damit uns die Wahrheit gesagt werden soll, aber wie geht das zusammen, die Wahrheit und das, was da ist?“, wundert sich Jelinek über das Vorgehen in der ORF-Generaldirektion und setzt diese mit einer Parteizentrale gleich. – Lesenswert, wenn auch nicht immer leicht zu lesen, aber zornig und sprachlich auf den Punkt.

Die Schenkenswertliste 2011

Diese Woche aus aktuellem Anlass: Die Schenkenswertliste 2011 mit Antworten auf die zehn meist gestellten Geschenkefragen.

1. Was schenke ich bloß meiner Mutter? – Meine Mutter interessiert sich für Kunst und Kultur, geht oft in Ausstellungen oder ins Theater. Aber kennt sie sich in der Gegenwartskunst aus? Hat sie eine Vorstellung vom Kunstbetrieb heute? Ich vermute nicht, denke aber, es könnte sie interessieren, deshalb schenke ich ihr Sarah Thornton, Sieben Tage in der Kunstwelt.

2. Was schenke ich bloß meinem Vater? – Meinem Vater schenke ich ein Buch von Jared Diamond. Diamond ist Professor für Physiologie an der Universität von Kalifornien, in Los Angeles, Pulitzerpreis-Träger und schreibt in verständlicher Sprache wissenschaftlich fundierte aber sehr kurzweilige Sachbücher. In deutscher Sprache sind erschienen:

  • Arm und Reich (über den Einfluss von Klima und Geographie auf die Verteilung von Armut und Reichtum in menschlichen Gesellschaften)
  • Kollaps (über die Gründe des Untergangs von Hochkulturen)
  • Der dritte Schimpanse (über die Evolution und die Zukunft des Menschen).

3. Was schenke ich bloß meiner besten Freundin? Die beste Freundin ist besonders schwierig zu beschenken, weil mir für sie immer so viele (!) Ideen in den Sinn kommen. Gleichzeitig sind die Erwartungen hoch: Wer schließlich sollte besser wissen, worüber sie sich freut, wenn nicht ich? Der Ausweg aus diesem Dilemma: Dieses Jahr bekommt meine beste Freundin das Buch, was mich in letzter Zeit am meisten begeistert hat, und zwar.. naja.. immer noch schwierig.. hmm.., na gut, also: Alex Capus, Léon und Louise. Eine sehr romantische, aber gar nicht kitschige französische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund zweier Weltkriege.

4. Was schenke ich bloß meinem besten Freund? – Ein Comic! Oder gar zwei? Denn in letzter Zeit haben mich zwei Comics, oder wie viele Verlage heute vornehm sagen „Graphic Novels“, begeistert: Garon Tsuchiya, Nobuaki Minegishi, Old Boy, den vierteiligen japanischen Comic, um einen Mann, der zehn Jahre in einer Zelle gefangen gehalten wird, ohne zu wissen, von wem und warum und dann plötzlich in die Freiheit entlassen wird. Oder die zweibändige Graphic Novel Berlin von Jason Lutes: Die Kunststudentin Marthe Müller und der Journalist Kurt Severing lernen sich während der letzten Jahre der Weimarer Republik in Berlin kennen. Vor dem Hintergrund zeitgeschichtlicher Ereignisse verknüpfen sich ihre privaten Schicksale immer enger mit den politischen Umbrüchen jener Tage. Eine kurzweilige aber eindrucksvolle Geschichtsstunde!

5. Was schenke ich bloß meinem kleinen Bruder? – Wie wäre es mit einer Coming-of-age-Geschichte? Tschick von Wolfgang Herrndorf erzählt die Geschichte zweier 14jähriger Außenseiter und ihres abenteuerlichen Sommer-Roadtrips durch Ostdeutschland. Tschick wurde in diesem Jahr mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

6. Was schenke ich bloß meiner Schwiegermutter? – Mit Schwiegermüttern oder solchen, die es einmal werden könnten, ist das ja immer so eine Sache: Sobald sie selbst beginnen, Geschenke zu machen, muss man auch eine Kleinigkeit zurückschenken. Nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu förmlich, aber auch nicht zu vertraulich. Nicht so einfach! Ich empfehle daher in diesem Jahr ein Koch-Hörbuch von audio cook: Im Zwiegespräch mit BR-Radiomoderator Taufig Khalil kochen hier Sterneköche in Echtzeit Rezepte vor und verraten, während es im Hintergrund brutzelt, wie das Gericht garantiert gelingt. Und das funktioniert! Selbst mir völlig unbegabter Hobbyköchin sind mittels der Audio-Ratschläge von Sternekoch Hans Haas mehr als anständige Zwetschgenknödel gelungen..

7. Was schenke ich bloß meinem Kollegen? –  Mein Kollege ist ein Mann der Tat, somit ernenne ich ihn mit meinem Weihnachtsgeschenk kurzerhand zum Betriebssportbeauftragten für 2012: Damit wir alle ohne Rückenschmerzen ins neue Jahr starten, schenke ich ihm Eric Czotscher, Danja Hetjens, Yoga-Tools für Super-Manager.

8. Was schenke ich bloß last minute, wenn mir am 24. Dezember morgens einfällt, dass ich jemanden vergessen habe? – Elke Heidenreich, Michael Sowa, Erika. Eine heiter melancholische Weihnachtsgeschichte um ein rosarotes Plüschschwein – als Hörbuch von der Autorin gelesen, noch ein bisschen besser!

9. Was schenke ich bloß meinem neuen Freund? – Insbesondere, wenn man sich noch nicht so gut kennt, eine schwierige Frage. Ein klarer Fall für die absoluten Lieblingsbücher: Nach dem Motto, willst Du etwas über mich wissen, lies dieses Buch! In meinem Fall: Gabriel García Márquez, 100 Jahre Einsamkeit. Und was sagt das über mich aus?

10. Was schenke ich bloß meiner kleinen Nichte? – Gute Kinderbücher haben ja immer den Nachtteil, dass sie sich so schnell herumsprechen. Somit ist es nur wahrscheinlich, dass die kleinen Nichten dieser Welt den Grüffelo alle schon längst kennen. Aus diesem Grund empfehle ich hier die, wie ich hoffe, unbekanntesten Kinderbücher eines meiner liebsten Autoren, nämlich Roald Dahl, der für jede Alterklasse mindestens ein Buch geschrieben hat.

  • Für die kleine kleine Nichte (ab 5): Ottos Geheimnis, eine zauberhafte Liebesgeschichte rund um eine vertauschte Schildkröte. Mit Bildern von Quentin Blake
  • Für die schon etwas größere Nichte (ab 8): Hexen Hexen. Eine spannende Geschichte über kleinen Jungen, dem es gelingt den teuflischen Plan der Hexenversammlung Großbritanniens zu durchkreuzen.
  • Für die noch etwas größere Nichte (ab 10): Danny und Die Fasanenjagd. Wildern für Fortgeschrittene. Ein spannender Familienroman über ein abenteuerliches Jagderlebnis.

Die Lesenswertliste der Woche

– weil das Leben am Ende dich wichtiger ist als das Lesen mit eineinhalb wöchiger Verzögerung.

Platz 1. Irène Némirovsky, Suite francaise: Sommer 1940 in Paris und wie reagiert der Mensch in Situationen existenzieller Bedrohung? Die wiederentdeckte Starautorin aus dem Frankreich der 30er Jahre ist eine ebenso gute Beobachterin wie Erzählerin.

Platz 2. Junot Díaz, Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao: Wie kann man so unglaublich viele wunderschöne Sätze schreiben? Und dann auch noch alle nacheinander? Wie kann so viel Traurigkeit so leicht und so glücklich machen?

Platz 3Harald Martenstein, Der Sog der Masse, in: Die Zeit Nr. 46Es lebte die Reaktanz!

Platz 4. William Boyd, Eines Menschen Herz: Alles, was ich mittlerweile von William Boyd gelesen habe, ist klasse. Eines Menschen Herz hat mich besonders begeistert.

Platz 5. Oscar Wilde, Bunbury: Denn Oscar Wilde erinnert uns an die Bedeutsamkeit, ernst zu sein und setzt dabei die Ansichten und Gepflogenheiten der britischen Upper Class provokant und wortgewandt in Szene.

Platz 6. Matthias Stolz, Der Beschwerdeführer, in Zeit Magazin Nr. 46: Eine infografische Intervention gegen die lockere Beschwerdezunge von Restaurantbesuchern, die alltagsstressbedingt gerne jedes Haar in jeder Suppe finden möchten.

Platz 7. Osamu Tezuka, Adolf: Ein spannender Comic-Thriller, der zeigt, dass das deutsch-jüdische Verhältnis auch eine japanische Sichtweise hat.

Platz 8. Volker Kutscher, Der nasse Fisch, Das Hörbuch, gelesen von Sylvester Groth: Eine historische Reise durch Berlin. Ein Buch, das mir dabei hilft, die Stadt, in der ich wohne besser kennenzulernen.

Platz 9. Rainer Erlinger, Die Gewissensfrage, in Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 46: Die Gewissensfrage zum an-die-Wohnungstür-hängen zur Beseitigung jeder Zweifel was Ordnung im gemeinschaftlichen Hausflur angeht.

Platz 10. Nicht jetzt, Beileger des Kein und Aber Verlages: Diese erst auf den zweiten Blick als Werbung erkennbare Broschüre des Kein und Aber Verlages (die unter anderem am vergangenen Freitag der Süddeutschen Zeitung beilag) versüßte mir die erste Tasse Kaffee mit schönen Erlebnisberichten der Autoren des Verlages über das Zusammentreffen mit ihren Lesern.

Die Lesenswertliste der Woche

Platz 1. Jonathan Franzen, Freiheit: Die sozialpsychologische Familiensaga des Jahres.

Platz 2. Philip Roth, JedermannDas Hörbuch gelesen von Peter Fitz: Dieses (Hör)Buch (be)trifft jedermann, denn Roth erzählt, wie es ihm und uns allen geht – in Beziehungen, in der Familie, im Beruf und im Alter.

Platz 3. Kazuo Ishiguro, Was vom Tage übrigblieb: Die gesellschaftskritischen Betrachtungen eines Butlers, der sich Kritik nie erlauben würde, und zugleich eine traurigschöne Liebesgeschichte. Das Buch zum Film mit Emma Thompson und Anthony Hopkins. Wer beides noch nicht kennt, sollte das Buch wählen! Die Sprache ist sogar in deutscher Übersetzung ein Genuss.

Platz 4. David Sedaris, Schafft die Yaya raus, Hörbuch, gelesen von Harry Rowohlt, Gerd Haffmanns, Gustav-Peter Wöhler: Die schrägsten und besten Geschichten der Familie Sedaris.

Platz 5. Andrea de Carlo: Zwei von zwei: Mario und Guido lernen sich 1968 in der Schule in Mailand kennen und werden beste Freunde. Um die Ideale ihrer Jugend umzusetzen, schlagen sie unterschiedliche Wege ein. Die Geschichte einer Freundschaft und einer Generation. Einer der besten De Carlos überhaupt mit Figuren voller Lebenshunger und Gefühl.

Platz 6. Sarah Thornton, Sieben Tage in der Kunstwelt: Dass die Autorin deutlich länger als sieben Tage in der Kunstwelt unterwegs war, um diesen unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen zu verfassen, kann man aus jeder Seite herauslesen. Tatsächlich ist Soziologin Sarah Thornton ihrer Begeisterung für Gegenwartskunst gefolgt und hat beinahe sieben Jahre recherchiert, um das Hintergrundwissen für ihren vergnüglichen Sieben-Tages-Trip vom Auktionssaal, auf die Art Basel, in den Hörsaal einer Kunsthochschule usw. zu sammeln. 

Platz 7Morris, Lucky Luke – Die Erbschaft des Rantanplan: Der an chronischer Selbstüberschätzung leidende dümmste Hund des Wilden Westens in seiner größten Rolle.

Platz 8. Mario Vargas Llosa, Das böse Mädchen: Die Geschichte eines weiblichen Felix Krull und einer nicht immer gesunden Liebe in den 50er bis 80er Jahren des 20. Jahrhunderts auf drei Kontinenten.

Platz 9. W. Sommerset Maugham: Regen, Hörbuch, gelesen von Friedhelm Ptok, Hans Korte, Marietta Bürger, Werner Rehm: Mit scharfer Beobachtungsgabe verfasste Kurzgeschichten in klarem prägnanten Stil.

Platz 10. Jana Scheerer, Mein Vater, sein Schwein und ich: Eine liebevoll schräge Hommage an die Kindheit.

Heute LIVE von der Buchmesse: die Lesenswertliste der Woche

Platz 1. Nino Haratischwiili, Mein sanfter Zwilling: Mein Buch der Woche, denn die Geschichte eines erschütternden Familiendramas, einer verlorenen Kindheit und einer großen Liebe packt einen schon auf der ersten Seite.

Platz 2. Tschingis Aitmatow, Dshamilja: Die schönste Liebesgeschichte der Welt

Platz 3Walter Moers, Das Labyrinth der Träumenden Bücher: Weil ich Zamonien liebe!

Platz 4. Ferdinand von Schirach, Der Fall Collini: Wer die kurzen Sachen mochte, wird den Roman lieben!

Platz 5. Jostein Gaarder, Das Kartengeheimnis: Eine bewegende, philosophische  Reise!

Platz 6. Ethan Nicolle, Axe Cop: Der 29jährige Zeichner Ethan Nicolle zeichnet Comics, deren Figuren und Abenteuer sein 5jähriger Bruder Malachai erfindet. Der hat eine ziemlich ausgeprägte Phantasie und sich zum Beispiel den den axtschwingenden und dinosaurierköpfenden Helden Axe Cop und dessen Partner, dem Dinosaurier-Mensch-Hybrid Flute Cop ausgedacht. lesenswert, weil Kinder eine art von Phanatsie besitzen, die wir verloren haben. auch wenn sie irgendwie spunghaft und ungeordnet ist. am Rande des Wahnsinns fast. aber gleichzeitig auch absurd komisch.

Platz 7. Dennis Gastmann, Mit 80 000 Fragen um die Welt: Weil man wieder sieht wie verrückt die Welt oft ist!

Platz 8. Florian Schröder, Offen für alles und nicht ganz dicht. Hier hat ein Comedian ein Buch geschrieben. Aber ein gutes. Denn Schröders Humor ist schwarz und er kennt uns so gut, denn er ist einer von uns.

Platz 9.  Reisen macht glücklich und eigentlich ist die ganze Welt eine Reise wert. Eine besonders schöne lässt sich nach Peru unternehmen. Land der hohen Berge, des Regenwalds, des kühlen Pazifiks, der dünnen Luft und der Lamas. Der passende Guide für Peru stammt von Frank Herrmann und im Stefan Loose Verlag erschienen. Kaufen, Flug buchen, los fahren!

Platz 10. Walt Becker, Missing Link: Sciene Fiction oder Menschheitsgeschichte? Beckers Theorien erinnern stark an Erich von Däniken und sind bisweilen ähnlich skurril, aber Missing Link ist gelungener da hochspannender Abenteuerroman, der zum Nachdenken anregt.

Die Lesenswertliste der Woche

Platz 1. Mein Buch und Island-Roman der Woche: Steinar Bragi, Frauen. Denn Bragis Buch ist zugleich Thriller und Künstlerroman, die Geschichte einer gescheiterten Liebe und einer Resignation angesichts der eigenen Hilflosigkeit. Grauenvoll großartig.

Platz 2. Island, diesmal nicht neu, sondern wieder ausgegraben: Judith Herrmann, Kaltblau in: Nichts als Gespenster. Man beginnt zu ahnen, wie sich Island im Winter anfühlen mag. Denn Judith Herrmann lässt in der Island-Episode ihres zweiten Buches eine junge Mutter im isländischen Winter an ihrer Beziehung zweifeln, aber einer Versuchung widerstehen. Und auf wenigen Seiten gelingt es ihr, die Atmosphäre der Kälte und Dunkelheit vom Schauplatz der Handlung auf ihre Protagonisten zu übertragen.

Platz 3. Island: Das Hörspiel zu Arnaldur Indridasons Krimi Todesrosen. Denn die Ermittlungen von Kommissar Erlendur durchleuchten immer auch ein Stück weit die isländische Seele.

Platz 4. Nochmal Island: Tilman Spreckelsen und Kat Menschik, Der Mordbrand von Örnolfsdalur und andere Isländer-Sagas. Denn Tilmans Spreckelsens Übersetzung macht die Isländer-Sagas auch in Deutschland lesbar und lesenswert. Kat Menschiks Illustrationen sind prachtvoll und eine Auswahl kann als Siebdrucke bestellt werden.

Platz 5Mark Z. Danielewski, Das Haus. Weil man es auf jeder zweiten Seite nicht fassen kann.

Platz 6. Denkanstöße 2011. Das Buch für den Sonntagmorgen ohne Sonntagszeitung oder die in Hamburg rar gesäten Feiertage, wenn keine Tageszeitung informiert. In den Denkanstößen liest man Politisches wie Philosophisches, Naturwissenschaftliches und in diesem Jahr auch Musikalisches.

Platz 7. Das Hörbuch zu Daniel Glattauer, Alle sieben Wellen. Andrea Sawatzki und Christian Berkel als Emmy und Leo kann man stundenlang zuhören

Platz 8. Henri Charrière, Papillon. Denn die siebte Welle heißt Lisette und trägt den Helden des Romans auf einem Fass voller Kokusnüsse von der Teufelsinsel in die Freiheit.

Platz 9. Stéphane Hessel, Engagiert Euch! Nach Empört Euch jetzt der Aufruf zu mehr Engagement. Ein lesenswertes Interview.

Platz 10. Ein letztes Mal Island. Zur Buchmesse veröffentlicht derzeit beinahe jede Zeitung oder Zeitschrift eine Literaturbeilage. Eine sehr lesenswerte da umfangreiche und informative ist die Zeit Literatur, die Beilage der Zeit von dieser Woche. Am Kiosk.

Die Lesenswertliste der Woche

Damals mit 15 hat uns das „Jetzt-Magazin“ so manchen Beginn einer Schulwoche versüßt. Jeden Montag lag das Jugendmagazin (das heute nur noch online existiert) der Süddeutschen Zeitung bei. Hielten wir es in Händen, blättern wir zu allererst auf die letzte Seite. Dort veröffentlichte „Jetzt“ allwöchentlich die großen und kleinen Dinge, die das Leben damals lebenswert machten in einer Liste. Das Ranking bestimmten die Leser des „Jetzt-Magazins“ –  wir – die zu diesem Zweck ihre persönlichen Lebenswertlisten oder nur einzelne Punkte daraus per Fax oder Brief an die Redaktion schickten. Nicht nur einmal entdeckten wir unsere Vorschläge in der Liste wieder.

In Erinnerung an diese schöne Zeit und das leider schon vor vielen Jahren in dieser Form eingestellte „Jetzt-Magazin“ möchte ich ab sofort auf dieser Seite einmal in der Woche eine Lesenswertliste veröffentlichen und darin all die lesenswerten, hörenswerten und sehenswerten Texte und Bilder vorstellen, die für mich die letzte Woche lebenswert gemacht haben.

Gerne greife ich in Zukunft auch Eure Ideen in der Liste auf, drum kommentiert, postet oder mailt mir auch Eure persönlichen Lesenswert-Listen!

Meine Lesenswertliste der Woche:

Platz 1. Andri Snaer Magnason: LoveStar, mein Buch der Woche. Denn Magnasons schräges Zukunftsszenario erinnert mich an Orwell oder Huxley und ich bin gespannt, ob die Guten diesmal eine Chance haben, denn natürlich leisten auch hier zwei unerschrockene Idealisten Widerstand gegen den vermarkteten Tod und die organisierte Liebe

Platz 2. Lucky Luke: Das Greenhorn, denn die Ernennung Jean-Yves Ferris zum künftigen Asterix-Texter, hat mich daran erinnert, welch großartige Worte René Goscinny den unbeugsamen Galliern, aber auch dem einsamen Cowboy in den Mund zu legen vermochte

Platz 3. Das Hörbuch zu Julia Francks: Die Mittagsfrau, denn die Buchpreisgewinnerin von 2007 liest ihren Roman selbst vor – leise, pointiert und packend

Platz 4. Doris Dörrie: Alles inklusive, denn der neue Roman der Schriftstellerin, Theater- und Filmemacherin ist nicht nur eine manchmal komisch, manchmal tragisch anmutende und mit Wortwitz gespickte Lektüre, sondern eignet sich auch ausschnittsweise sehr gut zum Vorlesen

Platz 5. Kürzlich darüber gesprochen, jetzt wieder einmal hineingelesen: Armistead Maupin: Stadtgeschichten (in 5 Bänden). Eine bunte Soap Opera über eine im San Francisco der End-70er lebende Wohngemeinschaft

Platz 6. Diese Woche wiederentdeckt: Saskia Hula und Karsten Teich: Windig und Wolkenbruch. Ein herzerfrischendes Kinderbuch, das sich auch bestens als Geschenk für extremsport- und abenteuervernarrte Erwachsene eignet

Platz 7. Karl Valentin, Gerhard Polt, Toni Berger u.a.: Auf gehts zur Wiesn – Ein Oktoberfest-Spaziergang, zur Einstimmung aufs letzte Wiesnwochenende für dieses Jahr

Platz 8. Die kuriosesten Buchtitel 2011, ohne Worte!

Platz 9. Garon Tsuchiya, Nobuaki Minegishi: Old Boy, denn den japanischen Manga zum preisgekrönten Film legte ich einmal angelesen nicht mehr aus der Hand, bis zur letzten Seite. Doch dann der Schock, das Rätsel um Goto, der ohne zu wissen von wem und warum zuerst zehn Jahre eingesperrt und dann plötzlich freigelassen worden war, wird nicht aufgelöst. Denn Old Boy hat vier Bände. Und man bestellt sofort den nächsten..

Platz 10. Twitter. In dieser und vermutlich auch den nächsten Wochen unersetzliches Recherchetool und Quelle vieler witziger, skurriler, spannender, und informativer Inhalte, die mich zu Themenideen für diese Seite inspirieren