Literaturpreis hin, Marketinggag her, eines ist der Deutsche Buchpreis sicher: ein PR-Erfolg

Foto: Logo Deutscher Buchpreis 2011

Man mag ja geteilter Meinung sein, was den Auftrag und die Bedeutung des Deutschen Buchpreises angeht. Ob die Auszeichnung nun ein ernst zunehmender Literaturpreis ist oder zur Marketingmaßnahme zum Ankurbeln des Weihnachtsgeschäftes des deutschen Buchhandels verkommen ist. Ob die nominierten Romane die qualitative Crème de la Crème der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur repräsentieren oder vor allem kommerziell sind. Ob die Jury tatsächlich unabhängig und mit Wagemut und Literaturverständnis über die eingereichten Romane urteilen darf. Oder doch stets darauf geachtet werden muss, dass die führenden deutschen Verlage mit mindestens einem eingereichten Werk unter den Favoriten ihren Platz finden. Fest steht, aus PR-Sicht hat der Deutsche Buchpreis auch 2011 wieder alles richtig gemacht.

Ohnehin splittet die Jury ihre Entscheidungen in drei Stufen, um die mediale Aufmerksamkeit in die Länge zu ziehen und nicht nur auf den Siegertitel, sondern auf möglichst viele deutschsprachige Romane zu verteilen. Sie gibt im August mit der Longlist zuerst ihre Top20 bekannt. Im September nennt sie auf der Shortlist dann die sechs Favoriten für den Preis. Deren Sieger verkündet sie schließlich im Oktober. Aber ganz nebenbei profitieren die Nominierten auch von den Unkenrufen und Wortgefechten der Literaten, Literaturkritiker und Journalisten deutscher Leitmedien, die auch in diesem Jahr keine Gelegenheit auslassen, Idee und Wirklichkeit des Deutschen Buchpreises zu diskutieren. Denn diese Debatten bewirken letztlich vor allem eins: Noch mehr mediale Aufmerksamkeit für die Nominierten.

Und das ist auch gut so, denn auch wenn die Inszenierung des Deutschen Buchpreises in den Medien und im Buchhandel, zahlreichen nicht nominierten Autoren die Show und Ausstellungsfläche im Laden stiehlt, so ermöglicht der PR-Trommelwirbel der Auszeichnung doch auch immerhin jährlich 20 Autoren einen von Marketingmaßnahmen begleiteten Start in den deutschen Bücherherbst. Allen nicht nominierten Titeln bleibt die Chance vom Buchhändler, der amazon-Rezension oder per Mundpropaganda empfohlen zu werden.  – Auf diese Weise wurde Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“ vor drei Jahren zum Überraschungserfolg. – Oder aber die Nominierung auf die Hot List 2011 und damit die Chance auf den Buchpreis der Independent Verlage. Denn bei allem Wettern gegen die Profitorientierung der Verlage und des Buchhandels dürfen wir auch nicht vergessen, dass man es sich mitunter auch leisten können muss, Nachwuchsautor zu sein.

Aber ist der Deutsche Buchpreis überhaupt ein Nachwuchspreis? – 2011 könnte er einer werden. Befinden sich doch unter den sechs auf der Shortlist geführten favorisierten Anwärtern auf den Preis immerhin zwei Erstlingswerke, nämlich Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ und Jan Brandts „Gegen die Welt“, zufällig die beiden im Internet heiß gehandelten Favoriten auf den Sieg. – Und einen solchen Buchpreis kann man dem deutschen Literaturnachwuchs nur wünschen. Am Marketingpotenzial der Auszeichnung zweifelt schließlich niemand!

Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung seit 2005 jährlich am Vorabend der Frankfurter Buchmesse den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Dem Siegertitel winken 25.000 Euro Preisgeld, die fünf Finalisten erhalten jeweils 2.500 Euro. In den Monaten zuvor gibt die jährlich neu besetzte siebenköpfige Jury bestehend aus Literaturkritikern, Journalisten, Verlags- und Buchhandels-Vertretern eine 20stellige Longlist sowie eine Shortlist mit den Top-6-Favoriten auf die Auszeichnung bekannt.

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