Der Yeti lebt!

„Wie hat er ausgesehen?“ fragte ich. „Größer als ein Mensch“, sagte der Mönch, „mit schrecklichen gelben Augen und Armen, die fast den Boden berührten, und mit rotem Haar, das von der Taille aufwärts wuchs, und einer weißen Mähne auf dem Kopf.“ So beschreibt Bruce Chatwin den Yeti in Was mache ich hier?.

Wie der Yeti tatsächlich aussieht und vor allem ob es ihn überhaupt gibt, war bisher ungeklärt. Bis uns eine kuriose Meldung aus Russland erreichte: Die Verwaltungsbehörde der sibirischen Region Kemerowo verkündet auf ihrer Website: „Die Existenz des Yeti ist bewiesen.“

Auf einer Forschungsreise seien Fußabdrücke, eine mutmaßliche Schlafstätte, Reviermarkierungen und wahrscheinlich sogar Haare des sagenumwobenen Schneemenschen gefunden worden. Die gesammelten „Artefakte“ würden zu 95 Prozent beweisen, dass der Yeti in der Region lebe, so die Behörde. Die verbleibenden fünf Prozent Unsicherheit sollen jetzt Laboruntersuchungen beseitigen.

In der Zwischenzeit kurbelt die mutmaßliche Existenz des Yeti schon mal den Fremdenverkehr in Kemerowo an. Die Bewohner der Bergbauregion nordöstlich von Novosibirsk erhoffen sich vom Yeti steigende Touristenzahlen – ähnlich wie Nessi der Region Great Glen im schottischen Hochland einst zu Besucherströmen verholfen hat.

Dabei galt es doch eigentlich schon als bewiesen, dass es den Yeti nicht gibt. Der 1960 von Mount Everest- Erstbesteiger Sir Edmund Hillary auf einer Expedition entdeckte angebliche Yeti-Skalp entpuppte sich als Ziegenfell. Der Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner mutmaßte in seinem Buch „Yeti – Legende und Wirklichkeit“, der Yeti sei identisch mit dem Tibetischen Braunbären, da „Yeti“ in einigen Himalaya-Sprachen das Wort für „Bär“ sei.

Aus der Mythen- und Sagenwelt des Himalaya ist der Yeti dennoch nicht wegzudenken. Die moderne Literatur hat den Yeti vielfach beschrieben. Und womöglich werden auch die neuesten Gerüchte über seine Existenz wieder Autoren inspirieren, über den geheimnisvollen Gebirgsbewohner zu schreiben. Ein informativer Aufsatz zu dem Thema stammt von Michael Baumgartner.

Hier eine kleine Yeti-Literatur-Auswahl:

Bruce ChatwinWas mache ich hier? In seinem letzten Buch stellt der große Erzähler sehr persönliche Reiseberichte zusammen, die nie ganz ohne einen Schuss Fiktion auskommen.Unter anderem sucht er im Himalya nach dem Yeti.

Philipp Kerr, Esau: Ein amerikanischer Bergsteiger findet in einer nepalesischen Gletscherspalte den Schädel einer bisher unbekannten Spezies. Die Anthropologin Swift vermutet einen Yeti dahinter. Ein US-Forscherteam wird zur Expedition in den Himalaya entsandt. Unterwegs entpuppt sich ein Expeditionsteilnehmer als CIA-Agent auf der Suche nach einem abgestürzten US-Satelliten.

Kim Stanley Robinson, Flucht aus KatmanduDer Yeti in Robinsons Roman ist ein zivilisierter friedlicher Zeitgenosse, der rein äußerlich eher einem zotteligen Menschen ähnelt, als einem Fabelwesen aus Affe und Bär. Zu Beginn des Romans wird er von einem ehrgeizigen Biologen gefangen genommen und im Verlauf der Handlung von zwei amerikanischen Fremdenführern und einem Tierschützer befreit.

Jens Sparschuh, Der Schneemensch: Heinrich Himmler ist Anhänger der Welteislehre, der These, dass die Germanen ihren Ursprung im ewigen Eis hätten. In den 30er Jahren schickt auf der Suche nach dem Ursprung der Deutschen eine Expedition nach Tibet. Der Held der Geschichte, ein leitender Mitarbeiter der SS-Abteilung „Ahnenerbe“,  findet Spuren im Schnee.

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