Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Paradiesbewohner zur Schöpfungszeit

Foto: St. Benno-Verlag

„Gutes Neues“* ist die Begrüßungsfloskel der ersten Woche jedes neuen Jahres. In der zweiten Woche hört man sich auch noch von Zeit zu Zeit. Dann verebbt der implizierte Optimismus und Überschwang und wir murmeln uns wieder ein verzerrtes „Servus“, „Moin“ oder „Na“ zu, wenn wir uns begegnen. War das schon immer so?

Diese Frage hat mir gestern Mark Twain beantwortet, der  sich – für mich völlig überraschend – als ausgezeichneter Kenner der Kommunikation zwischen Mann und Frau erwiesen hat. Und zugleich einen einmaligen historischen Beleg der Entwicklungsgeschichte der Geschlechterdifferenz vorlegte, indem er 1893 die privaten Aufzeichnungen des ältesten Liebespaares der Schöpfungsgeschichte niederschrieb: Adams und Evas Tagebuch.

Darin zeigt sich: Weder in der ersten, noch in der zweiten Woche des menschlichen Lebens auf Erden (gewissermaßen des allerersten neuen Jahres überhaupt) hatte Adam für Eva optimistische oder überschwängliche Grußformeln übrig. Ganz im Gegenteil: „Dieses neue Geschöpf mit dem langen Haar fängt an, mir sehr im Wege zu sein. Es ist immer hinter mir her und treibt sich beständig um mich herum. Ich mag das nicht; ich bin nicht an Gesellschaft gewöhnt. […] Wenn es nur nicht reden wollte! Es schwatzt beständig“, beklagt sich unser aller Urahn über seine Gefährtin.

Eva hingegen interessiert sich für den schrägen Einzelgänger. „Ich muss eingestehen, dass mir dieser Mann mehr Spaß macht, als alle anderen Reptilien.“ Denn für ein Reptil hält sie Adam. Und obwohl Eva schnell merkt, dass Adam weniger Vergnügen an ihrer Gesellschaft findet  –„wieder habe ich es auf die Palme gejagt“, –  gibt sie nicht auf.

In den vergnüglichen Tagesnotizen beider Paradiesbewohner zeigt sich vielfach, wie unterschiedlich diese sind. Eva gibt sich einerseits romantisch verträumt, liebt die Natur, bewundert die Sterne, plappert gerne vor sich hin, benennt alles, was ihre Blicke kreuzt ganz intuitiv, und ist doch andererseits auch praktisch veranlagt und hält Ordnung im Garten Eden – oder, wie sie sagt, im Niagara-Park.

Adam will vor allem unbehelligt seinen Hobbies, dem Jagen, Bauen und Wasserfallschwimmen, nachgehen. Einmischungen in sein Tun und Veränderungen akzeptiert er nur ungern. Und obwohl er anfangs nur wenige liebenswerte Eigenschaften aufweist, liebt Eva ihren Gefährten aufrichtig. Um auf Gegenliebe zu stoßen, muss sie jedoch zunächst den Sündenfall begehen und ihn vom Baum der Erkenntnis essen lassen.

Adam und Eva dabei zu begleiten ist sehr zu empfehlen, denn Mark Twains Büchlein ist treffsicher, sprachwitzig und erschreckend aktuell. Die Autoren der Beziehungsratgeber der Gegenwart scheinen allesamt bei ihm abgeschrieben zu haben!

* das Lesen ist schön wünscht seinen Lesern ein gutes, gesundes, glückliches, erfolgreiches, fröhliches, wunderbares neues Jahr!

  1 comment for “Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Paradiesbewohner zur Schöpfungszeit

  1. 3. Januar 2012 at 22:55

    Ja, sie ist wirklich sehr schön und die Kleider fand ich sowieso alle sehr schön. (:

    Der Film war einfach super, ich bin wirklich froh, ihn gesehen zu haben. :)

    Liebe Grüße, Noelle ♥

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