Sonntag @Buchmesse

Audi Pavillon in der Sonne. ++ Tatjana Strobel kann Mimik und Körpersprache lesen. ++ Statt Warte-App hat die Büchergilde Gutenberg die Buchbox mit literarischen Texten für fünf bis 15 Minuten Wartezeit im Programm. ++ Eigenwillige Verlagsnamen. ++ Buch in Salz. ++ Simon Gosejohann liest aus Schmerzfrei. ++ Das Zeichner- und Gestalter-Archiv: The Artist Finder. ++ Hussein Al-Mozany liest aus Parallelwelten. ++ Das Kinderbuch, das Eltern aus der Seele spricht: Verdammte Scheiße schlaf ein. ++ Volker H. Altwasser liest aus Letzte Fischer. ++ Topmodel-Kandidatin Rebecca stöckelt und posed. ++ Bye bye Frankfurt.

Independence Buchpreis 2011 für Nino Haratischwili

Foto: Julia Bürhle Nowikowa

Diese Frau muss man sich merken. Nino Haratischwili ist gerade mal 28 Jahre alt und hat doch bereits 14 eigene Theaterstücke auf deutsche Bühnen gebracht. Am Samstag Abend hat sie mit ihrem zweiten Roman Mein sanfter Zwilling die Hotlist 2011 geknackt und den Buchpreis der unabhängigen Verlage gewonnen – nachdem sie nach 2010 bereits zum zweiten Mal für die Shortlist nominiert war. Das Lesen ist schön hat noch vor der Preisverleihung am Samstag Mittag mit ihr gesprochen. Auf die Frage, was sie sich für Siegchancen ausrechnet, den Independence Buchpreis zu gewinnen, gibt sich Nino Haratischwili ganz bescheiden..

Heute LIVE von der Buchmesse: die Lesenswertliste der Woche

Platz 1. Nino Haratischwiili, Mein sanfter Zwilling: Mein Buch der Woche, denn die Geschichte eines erschütternden Familiendramas, einer verlorenen Kindheit und einer großen Liebe packt einen schon auf der ersten Seite.

Platz 2. Tschingis Aitmatow, Dshamilja: Die schönste Liebesgeschichte der Welt

Platz 3Walter Moers, Das Labyrinth der Träumenden Bücher: Weil ich Zamonien liebe!

Platz 4. Ferdinand von Schirach, Der Fall Collini: Wer die kurzen Sachen mochte, wird den Roman lieben!

Platz 5. Jostein Gaarder, Das Kartengeheimnis: Eine bewegende, philosophische  Reise!

Platz 6. Ethan Nicolle, Axe Cop: Der 29jährige Zeichner Ethan Nicolle zeichnet Comics, deren Figuren und Abenteuer sein 5jähriger Bruder Malachai erfindet. Der hat eine ziemlich ausgeprägte Phantasie und sich zum Beispiel den den axtschwingenden und dinosaurierköpfenden Helden Axe Cop und dessen Partner, dem Dinosaurier-Mensch-Hybrid Flute Cop ausgedacht. lesenswert, weil Kinder eine art von Phanatsie besitzen, die wir verloren haben. auch wenn sie irgendwie spunghaft und ungeordnet ist. am Rande des Wahnsinns fast. aber gleichzeitig auch absurd komisch.

Platz 7. Dennis Gastmann, Mit 80 000 Fragen um die Welt: Weil man wieder sieht wie verrückt die Welt oft ist!

Platz 8. Florian Schröder, Offen für alles und nicht ganz dicht. Hier hat ein Comedian ein Buch geschrieben. Aber ein gutes. Denn Schröders Humor ist schwarz und er kennt uns so gut, denn er ist einer von uns.

Platz 9.  Reisen macht glücklich und eigentlich ist die ganze Welt eine Reise wert. Eine besonders schöne lässt sich nach Peru unternehmen. Land der hohen Berge, des Regenwalds, des kühlen Pazifiks, der dünnen Luft und der Lamas. Der passende Guide für Peru stammt von Frank Herrmann und im Stefan Loose Verlag erschienen. Kaufen, Flug buchen, los fahren!

Platz 10. Walt Becker, Missing Link: Sciene Fiction oder Menschheitsgeschichte? Beckers Theorien erinnern stark an Erich von Däniken und sind bisweilen ähnlich skurril, aber Missing Link ist gelungener da hochspannender Abenteuerroman, der zum Nachdenken anregt.

Die App zum Warten

Rechtzeitig zur Buchmesse präsentierte der Kiepenheuer & Witsch Verlag (KiWi) der Welt seine neue Lese-App zur unterhaltsamen Überbrückung von Wartezeiten auf iphone und ipad. Nach dem Motto „Lieber Lesen als Warten“ spuckt die neue KiWi-App nach Einstellung der Wartezeit (von 0 bis 60 Minuten) auf einer knarzenden Bahnhofsuhr in ihrem Umfang passend zurechtgeschnittene Texte aus. Diese entstammen Büchern aus dem Verlagsprogramm und umfassen Texte von Heinrich Böll, Helge Schneider, Moritz von Uslar, Benjamin von Stuckrad Barré, Joseph Roth, Eva Menasse u.a..

„Eine sehr schöne Idee“, twitterte ein Wettbewerber aus der deutschen Verlagslandschaft. Und meinte es vermutlich gar nicht zynisch. Und doch stellt sich mir ganz deutlich die Frage, braucht die Welt im Zeitalter der E-Books tatsächlich eine Lese-App fürs Smartphone?

Fragte ich mich und investierte dann doch die 2,99 Euro, die „Schöner Warten“ im App Store kostet und lud sie runter. Dann wartete ich auf eine passende Wartezeit und stellte erstmal fest, dass die nicht kam.

Das mag damit zusammenhängen, dass ich immer zu spät komme und andere auf mich warten lasse. Oder aber daran liegen, dass mir auf meinem iphone bereits zahlreiche alternative Wartezeiten-Überbrücker zur Verfügung stehen und ich auch stets ein Buch mit mir herumtrage. Aber mangelnde Nachfrage soll hier nicht mein Argument sein. Apple bietet inzwischen rund 500.000 iphone-Apps an. Und dennoch gibt es immer wieder erstaunliche neue Ideen, die man nach ihrer Entdeckung nie wieder missen möchte.

So habe ich die KiWi-App dann einfach ohne die zugehörige Wartezeit getestet. Und fand mich in meiner Skepsis bestätigt: Dass KiWi nur verlagseigene Texte zu lesen anbietet, mag lizenzrechtliche Gründe haben. Die begrenzte Auswahl von nur 17 verschiedenen und die Tatsache, dass die meisten Texte Romanfragmente sind, auf die der Nutzer der App so natürlich höchst effektiv neugierig gemacht wird, lässt die Lese-App dann aber doch eher wie eine maue Mobile-Web-Kampagne für KiWi rüberkommen. Zumal „Schöner Warten“ natürlich am Ende jedes Textes mit der Verlagsseite und dem Online-Shop verlinkt ist. Im Grunde bietet KiWis neue Lese-App damit exakt das an, was die Verlagswebsite ihrem Besucher kostenlos zur Verfügung stellt: Roman-Auszüge und weitere Infos zu jedem Autor und jedem Buch des Verlagsprogramms, hier allerdings kostenpflichtig!

Aber zurück zur eigentlichen Idee hinter der App, der passende Text für jede Zeitspanne zwischen 0 und 60 Minuten. Ich simulierte also fünf Minuten freie Zeit, las los und musste feststellen: Die Textmenge, die ein durchschnittlich lesebegabter Deutschmuttersprachler in fünf Minuten bewältigt, differiert offenbar von Leser zu Leser stark. Das wiederum bringt leider das Konzept ein wenig ins Stolpern.

Und so nach und nach frage ich mich: Ist denn die knarzende Bahnhofsuhr der einzige niedliche Gimmick, den die Lese-App zu bieten hat? Ist der stolze Preis von 2,99 Euro in der Welt der Gratis-Apps nicht ziemlich übertrieben für die mobile Werbekampagne eines Verlages? Und bin ich am Ende nicht mit der iphone-E-Book-Funktion ibooks wesentlich besser bedient als mit der neuen KiWi-App? Kiepenheuer & Witsch stellte übrigens selbst erst vor ein paar Tagen seine neuesten E-Book-Editionen vor. Womöglich entscheidet man sich besser für diese elektronische Lesevariante des Verlages.

Ich ziehe für den Moment jedenfalls die haptische Lektüre all dem elektronischen Klimbim vor und trage weiterhin mindestens ein Buch, die SZ-Feuilletons der letzten Tage sowie dutzende Zeitschriftenausrisse mit mir herum. Auf diese Weise habe ich wenigstens auch weiterhin ein stichhaltiges Argument pro riesige Handtasche!

Rechtzeitig zur Buchmesse: 2x isländische Kunst in der Frankfurter Schirn

© VG Bild-Kunst, Bonn 2011 / Foto: Guillaume Onimus

Zur Einstimmung auf die Frankfurter Buchmesse und deren Islandschwerpunkt lohnt ein Besuch der Frankfurter Kunsthalle. Die Schirn zeigt bis 8. Januar zwei Ausstellungen isländischer Gegenwartskünstler.

Zwischen Pop Art und Surrealismus bewegt sich der 1932 geborene isländische Maler Erró, der heute als einer der bedeutendsten Künstler des Landes gilt. In der Schirn zeigt er mit „Scapes“ eine Serie großformatiger „Landschaften“ malerisch reproduzierter kritisch-narrativer Kollagen sowie den 1967/68 entstandenen Porträtzyklus „Monsters“, eine 40 Jahre lang nicht gezeigten Serie grotesker Doppelporträts prominenter Persönlichkeiten, deren offizielles Konterfei Erró jeweils einem zweiten, monströs verzerrten Gesicht gegenüberstellt.

Medial vielgestaltig ist das Werk von Gabríela Fridriksdóttir (Jg. 1971): Zeichnungen, Malereien, Fotografien und Skulpturen stehen gleichbedeutend neben Installationen, Performances und Videofilmen. Unter dem Titel „Crepsulum“ (Dämmerung) zeigt Fridriksdóttir einen Raum, in dem sich mittelalterliche isländische Handschriften mit dem geheimnisvollen Zeichensystem der Künstlerin sowie einer Filmproduktion zu einer mystischen Landschaft verdichten.

Der Yeti lebt!

„Wie hat er ausgesehen?“ fragte ich. „Größer als ein Mensch“, sagte der Mönch, „mit schrecklichen gelben Augen und Armen, die fast den Boden berührten, und mit rotem Haar, das von der Taille aufwärts wuchs, und einer weißen Mähne auf dem Kopf.“ So beschreibt Bruce Chatwin den Yeti in Was mache ich hier?.

Wie der Yeti tatsächlich aussieht und vor allem ob es ihn überhaupt gibt, war bisher ungeklärt. Bis uns eine kuriose Meldung aus Russland erreichte: Die Verwaltungsbehörde der sibirischen Region Kemerowo verkündet auf ihrer Website: „Die Existenz des Yeti ist bewiesen.“

Auf einer Forschungsreise seien Fußabdrücke, eine mutmaßliche Schlafstätte, Reviermarkierungen und wahrscheinlich sogar Haare des sagenumwobenen Schneemenschen gefunden worden. Die gesammelten „Artefakte“ würden zu 95 Prozent beweisen, dass der Yeti in der Region lebe, so die Behörde. Die verbleibenden fünf Prozent Unsicherheit sollen jetzt Laboruntersuchungen beseitigen.

In der Zwischenzeit kurbelt die mutmaßliche Existenz des Yeti schon mal den Fremdenverkehr in Kemerowo an. Die Bewohner der Bergbauregion nordöstlich von Novosibirsk erhoffen sich vom Yeti steigende Touristenzahlen – ähnlich wie Nessi der Region Great Glen im schottischen Hochland einst zu Besucherströmen verholfen hat.

Dabei galt es doch eigentlich schon als bewiesen, dass es den Yeti nicht gibt. Der 1960 von Mount Everest- Erstbesteiger Sir Edmund Hillary auf einer Expedition entdeckte angebliche Yeti-Skalp entpuppte sich als Ziegenfell. Der Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner mutmaßte in seinem Buch „Yeti – Legende und Wirklichkeit“, der Yeti sei identisch mit dem Tibetischen Braunbären, da „Yeti“ in einigen Himalaya-Sprachen das Wort für „Bär“ sei.

Aus der Mythen- und Sagenwelt des Himalaya ist der Yeti dennoch nicht wegzudenken. Die moderne Literatur hat den Yeti vielfach beschrieben. Und womöglich werden auch die neuesten Gerüchte über seine Existenz wieder Autoren inspirieren, über den geheimnisvollen Gebirgsbewohner zu schreiben. Ein informativer Aufsatz zu dem Thema stammt von Michael Baumgartner.

Hier eine kleine Yeti-Literatur-Auswahl:

Bruce ChatwinWas mache ich hier? In seinem letzten Buch stellt der große Erzähler sehr persönliche Reiseberichte zusammen, die nie ganz ohne einen Schuss Fiktion auskommen.Unter anderem sucht er im Himalya nach dem Yeti.

Philipp Kerr, Esau: Ein amerikanischer Bergsteiger findet in einer nepalesischen Gletscherspalte den Schädel einer bisher unbekannten Spezies. Die Anthropologin Swift vermutet einen Yeti dahinter. Ein US-Forscherteam wird zur Expedition in den Himalaya entsandt. Unterwegs entpuppt sich ein Expeditionsteilnehmer als CIA-Agent auf der Suche nach einem abgestürzten US-Satelliten.

Kim Stanley Robinson, Flucht aus KatmanduDer Yeti in Robinsons Roman ist ein zivilisierter friedlicher Zeitgenosse, der rein äußerlich eher einem zotteligen Menschen ähnelt, als einem Fabelwesen aus Affe und Bär. Zu Beginn des Romans wird er von einem ehrgeizigen Biologen gefangen genommen und im Verlauf der Handlung von zwei amerikanischen Fremdenführern und einem Tierschützer befreit.

Jens Sparschuh, Der Schneemensch: Heinrich Himmler ist Anhänger der Welteislehre, der These, dass die Germanen ihren Ursprung im ewigen Eis hätten. In den 30er Jahren schickt auf der Suche nach dem Ursprung der Deutschen eine Expedition nach Tibet. Der Held der Geschichte, ein leitender Mitarbeiter der SS-Abteilung „Ahnenerbe“,  findet Spuren im Schnee.

Eugen Ruge gewinnt den Deutschen Buchpreis

Foto: © Tobias Bohm

Für seinen Debut-Roman In Zeiten des abnehmenden Lichts gewinnt Eugen Ruge den Deutschen Buchpreis 2011. Der 57jährige studierte Mathematiker hat einen unterhaltsamen Familienroman über das intellektuelle Establishment der DDR verfasst, in dem er die Geschichte seiner eigenen Familie über mehrere Generationen hinweg nacherzählt. Kritiker verglichen sein Buch mit Tellkamps Turm oder nannten es „Die kommunistischen Buddenbrooks“.

„Eugen Ruge spiegelt ostdeutsche Geschichte in einem Familienroman. Es gelingt ihm, die Erfahrungen von vier Generationen über fünfzig Jahre hinweg in einer dramaturgisch raffinierten Komposition zu bändigen. Sein Buch erzählt von der Utopie des Sozialismus, dem Preis, den sie dem Einzelnen abverlangt, und ihrem allmählichen Verlöschen. Zugleich zeichnet sich sein Roman durch große Unterhaltsamkeit und einen starken Sinn für Komik aus“, so die Begründung der sieben Jury-Mitglieder.

Der Jury für den Deutschen Buchpreis 2011 gehören an: Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Ulrike Draesner (Autorin), Clemens-Peter Haase (†, Goethe-Institut), Ina Hartwig (freie Kritikerin), Christine Westermann (Westdeutscher Rundfunk), Uwe Wittstock (Focus) und Jury-Sprecherin Maike Albath (Journalistin bei Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur).

Weitere Infos zum Roman liefert die Videorezension von Iris Radisch.

Lesenswertes aus Island: Steinar Bragi, Frauen

Foto: Verlag Antje Kunstmann

„Ein verstörender Roman, der wie ein konventioneller Thriller beginnt und sich langsam in einen surrealen Albtraum verwandelt“, sagt Kristof Magnusson, selbst Schriftsteller und Übersetzter von Steinar Bragis Frauen, über das Buch und bringt es auf den Punkt.

Bragis Roman ist ein „Pageturner“, aber nicht nur das. Frauen ist auch eine intelligente Darstellung des bis heute andauernden Genderdiskurses, den Bragi mit drastischen Mitteln zuspitzt.

Die junge Eva kommt aus Amerika nach Island, um den Vater ihres toten Kindes zurückzugewinnen. Sie ordnet alles der Idee unter, wieder mit Hrafn zusammenzukommen. Das Leben ohne ihn erträgt sie nur im Rauschzustand. Wie besessen von der Idee der gemeinsamen Zukunft, bedrängt sie Hrafn aber so sehr, dass er sich endgültig von ihr abwendet. Dass Steinar Bragi eine ähnliche Situation erlebt haben muss, ist auf den Seiten, in denen Eva Hrafn um seine Liebe anfleht, spürbar. Der Autor bejaht es im Interview.

Und Eva ist hilflos, fällt ins Bodenlose und schlittert dabei immer tiefer in einen Zustand zwischen Resignation und Rausch, der es ihr nicht ermöglicht, auf sich selbst aufzupassen.

So erkennt sie die luxuriöse Penthouse-Wohnung in Reykjavik, die Eva in Abwesenheit ihrer Besitzerin hüten soll, viel zu spät als eine Falle. Ein in New York arbeitender isländischer Banker hatte Eva die Wohnung überlassen, nachdem sie ihm auf der Suche nach Sponsoren für eine Kunstperformance ihre Geschichte erzählt hatte. In der Wohnung wird Eva zur willenlosen Gefangenen. Sie findet sich als Teil eines perfiden Kunstprojektes wieder, in dem sie wider Willen die Hauptrolle spielt.

Bragi zeichnet eine Horrorvision. Bei all den Medienberichten über die Wolfgang Priklopils und Josef Fritzls dieser Welt war ich nicht so entsetzt wie bei der Lektüre der letzten 80 Seiten von Bragis Roman. Grauenvoll macht die Geschichte auch der vermeintlich intellektuelle Unterbau, den Bragi dem Kunstprojekt verleiht, das Eva ihrer Freiheit beraubt. Denn Eva ist nicht einfach das Opfer eines hemmungslosen Triebtäters – der sie aus Angst entlarvt zu werden – gefangen hält. Evas Peiniger ist vielmehr ein zeitgenössischer und ausgerechnet deutscher Künstler, Joseph Novak, der sein Handeln mit einer Ideologie legitimieren will.

Joseph Novak, den Eva selbst lange Jahre für seine Radikalität und seinen Mut bewundert hat, ist ein bekennender Frauenverachter. Von ihm stammen Sätze wie „Wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, weist er sie nur darauf hin, wo sie in der Gesellschaft steht.“

Novak propagiert Sexismus als Geisteshaltung. Die naturgegebene untergeordneten Rolle der Frau soll sein Handeln rechtfertigen. Und das schlimme daran ist: Ein einflussreicher Gegenwartskünstler genießt eine Vorbildfunktion, hat Bewunderer und Nacheiferer. Und seine Ideologie zimmert auch ihnen die vermeintliche Legitimation für ihr Handeln. Die Gefährlichkeit einer solchen Taten umgesetzten Ideologie haben zuletzt die Ereignisse von Oslo gezeigt.

Seine Position erörtert Novak auch freimütig in einem Interview, das Evas Peiniger ihr zu lesen gibt. Novak verbannt Frauen unter die Vorherrschaft der Männer ins Haus. Er führt aus, dass der Mann die Frau im Grunde hasst, weil sein stärkster Trieb, die Sexualität, nicht ohne die Frau auskommt. Und spricht sich selbst und alle Männer in einem Atemzug von der Verantwortung für die Unterdrückung der Frauen frei.

Und Novak scheut sich auch nicht, dem Interviewer eine bildliche Vorausschau auf sein Projekt „Frauen“ zu geben. Er zeigt seinem Interviewer ein Video dreier Frauen, das dieser in seinem Artikel beschreibt. Zwei der Frauen schlucken Tabletten. Die dritte geht umher und raucht. Doch Eva erkennt sich nicht als die dritte Frau. Stattdessen begehrt sie ein letztes Mal auf, versucht eine Flucht und scheitert.

Erst in diesem Moment, da ich als Leserin erkannte, dass die verbleibenden Seiten des Buches zusehends schrumpfen, ein zweiter erfolgreicher Fluchtversuch immer unwahrscheinlicher wird, erkennt auch Eva die Ausweglosigkeit ihrer Situation.

Spätestens in Erkenntnis dieser Ausweglosigkeit überkam mich als Leserin das Grauen und die Angst, selbst in die Fänge solcher Radikaler zu geraten. Und nach einer atemlosen Bahnfahrt, während der ich die letzten Seiten von Bragis Roman verschlungen hatte, nahm ich mir ein Taxi nach Hause, um nicht allein durch die Dunkelheit laufen zu müssen.

Foto: Verlag Antje Kunstmann

Ein paar Täge später, als sich das erste Grauen gelegt hatte, blieben Fragen an den Autor, die Steinar Bragi mir im Interview beantwortete:

Wie steht Steinar Bragi zu Ideologien? Wie ist seine Position in der hier radikal geführten Genderdiskussion? Und wie weit darf Kunst gehen?

Bragi gibt sich idealistisch. Auch er verweist auf Anders Breivik und nennt ihn als Beispiel, welch grauenvolle Folgen der Missbrauch von Ideologien haben kann.

„Beeing an Ideologue seem to be a predominantly male quality and can rach monstrous proportions as can be seen with the most terrorists, the Norwegian Breivik beeing the lastet example. The hated thi man has for feminists or Marxists, who he seems to regard as being synonymous with feminine, is no coincidence.“

Die Rolle von Mann und Frau in der Gesellschaft sieht Bragi nicht in den Geschlechtern, sondern nennt sie Produkte ihrer Kulturgeschichte. Zugleich sieht in der dominanten Rolle des Mannes eine Ursache in den fortlaufenden Verfall unserer Gesellschaft.

„Male and feminine traits have nothing to do with the sexes and are mostly culturally generated. Our societies are collapsing because of the predominance of male qualities, not the least which is too much aggression, rewarding greed and anger, and an over-emphasis on rationality and Ideology, as opposed to caring, intuition – and balance.
When a nurse gets paid the same as an investment banker we´ll have a balanced society. Psychologically and economically. – And balance is the same as equality.“

Joseph Novak sieht Bragi als typisches Beispiel eines Künstlers, der einerseits eitel und auf die Wahrnehmung und Bewunderung durch die Außenwelt angewiesen ist, anderseits diese Abhängigkeit hasst und nicht für die Abgründe der Welt verantwortlich gemacht werden will. Denn so ein Künstler versteht sich selbst nur als Produkt seiner Umwelt, aus der er nicht ausbrechen kann.

„The psychology of artists is based on a great need for being approved and admired by others, while at the same time hating this dependency and wanting to dictate to others that actually they are the ones who are lacking. Or the world. For being so materialistic and vulgar. I´m quite good at transferring my faults onto the world, but he started it! This won´t alway be pretty and shouldn´t be.“

Eine Rechtfertigung für amoralisches Handeln kann die Kunst laut Bragi nicht liefern. Sein Anliegen ist es daher, mit Frauen, aufzurütteln und in unserer westlichen Gesellschaft zu mehr Verständnis und Liebe füreinander aufzurufen.

„My own justification for being amoral is this: I want to bypass the intellect of readers and move them to a greater understanding, and sympathy, with each other. Since most people, especially in the west, already hate themselves and thereby have difficulties in loving others, I feel this is a worthy task. – Best dealt with through violence and pain.
While proof-reading the paperback, I felt quite revulsed over some lines, and the overall cruelty. But it´s all necessary.“

Dieses Potenzial hat Frauen auf jeden Fall. Bleibt abzuwarten, ob Bragis Roman in Deutschland ebenso viele begeisterte Leser findet, wie in Island, wo er vom Publikum begeistert aufgenommen, von der Kritik euphorisch gelobt und für den Nordic Council Literaure Prize nominiert wurde.

Die Lesenswertliste der Woche

Platz 1. Mein Buch und Island-Roman der Woche: Steinar Bragi, Frauen. Denn Bragis Buch ist zugleich Thriller und Künstlerroman, die Geschichte einer gescheiterten Liebe und einer Resignation angesichts der eigenen Hilflosigkeit. Grauenvoll großartig.

Platz 2. Island, diesmal nicht neu, sondern wieder ausgegraben: Judith Herrmann, Kaltblau in: Nichts als Gespenster. Man beginnt zu ahnen, wie sich Island im Winter anfühlen mag. Denn Judith Herrmann lässt in der Island-Episode ihres zweiten Buches eine junge Mutter im isländischen Winter an ihrer Beziehung zweifeln, aber einer Versuchung widerstehen. Und auf wenigen Seiten gelingt es ihr, die Atmosphäre der Kälte und Dunkelheit vom Schauplatz der Handlung auf ihre Protagonisten zu übertragen.

Platz 3. Island: Das Hörspiel zu Arnaldur Indridasons Krimi Todesrosen. Denn die Ermittlungen von Kommissar Erlendur durchleuchten immer auch ein Stück weit die isländische Seele.

Platz 4. Nochmal Island: Tilman Spreckelsen und Kat Menschik, Der Mordbrand von Örnolfsdalur und andere Isländer-Sagas. Denn Tilmans Spreckelsens Übersetzung macht die Isländer-Sagas auch in Deutschland lesbar und lesenswert. Kat Menschiks Illustrationen sind prachtvoll und eine Auswahl kann als Siebdrucke bestellt werden.

Platz 5Mark Z. Danielewski, Das Haus. Weil man es auf jeder zweiten Seite nicht fassen kann.

Platz 6. Denkanstöße 2011. Das Buch für den Sonntagmorgen ohne Sonntagszeitung oder die in Hamburg rar gesäten Feiertage, wenn keine Tageszeitung informiert. In den Denkanstößen liest man Politisches wie Philosophisches, Naturwissenschaftliches und in diesem Jahr auch Musikalisches.

Platz 7. Das Hörbuch zu Daniel Glattauer, Alle sieben Wellen. Andrea Sawatzki und Christian Berkel als Emmy und Leo kann man stundenlang zuhören

Platz 8. Henri Charrière, Papillon. Denn die siebte Welle heißt Lisette und trägt den Helden des Romans auf einem Fass voller Kokusnüsse von der Teufelsinsel in die Freiheit.

Platz 9. Stéphane Hessel, Engagiert Euch! Nach Empört Euch jetzt der Aufruf zu mehr Engagement. Ein lesenswertes Interview.

Platz 10. Ein letztes Mal Island. Zur Buchmesse veröffentlicht derzeit beinahe jede Zeitung oder Zeitschrift eine Literaturbeilage. Eine sehr lesenswerte da umfangreiche und informative ist die Zeit Literatur, die Beilage der Zeit von dieser Woche. Am Kiosk.

Tomas Tranströmer erhält den Literaturnobelpreis 2011

Die Wettquoten behielten am Ende recht. Der Nobelpreis für Literatur 2011 geht an den schwedischen Dichter Tomas Tranströmer (Jahrgang 1931), der sich in den letzten Stunden im Ranking der Wettagentur Ladbrokes klar auf Platz 1 vor Bob Dylan und Haruki Murakami platzierte.

Tranströmers Name tauchte in den letzten Jahren regelmäßig auf der Liste der wahrscheinlichen Anwärter auf den Literaturnobelpreis auf. Gilt der 80jährige Diplompsychologe und Sohn einer Journalistenfamilie aus Stockholm doch als einer bedeutensten Lyriker unserer Zeit.

Sein erster Gedichtband „17 dikter“ erschien bereits 1954. Seither veröffentlichte er nur zehn weitere und noch dazu recht schmale Bände mit Gedichten. Und doch beeindruckte er die Kritiker weltweit. Inzwischen ist Tranströmer der meistübersetzte skandinavische Dichter in der englischsprachigen Welt des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist in mehr als 30 Sprachen übertragen worden. Auf deutsch (Übersetzung: Hanns Grössel) sind seine Gedichte im Hanser Verlag erschienen.

In der Begründung der Akademie hieß es, Tranströmer habe den Preis bekommen, weil er „uns in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen weist.“

Tranströmers Werk ist trotz dieser eindrucksvollen Zahlen einer breiten Leserschaft in Deutschland unbekannt. Und es steht zu befürchten, dass daran auch der Nobelpreis nichts ändern wird. Werke von Literaturnobelpreisträgern sind nicht automatisch Verkaufsschlager, und insbesondere Lyrik verkauft sich oftmals nur an Liebhaber.

Zur Einstimmung für Lyrikliebhaber und solche, die es werden wollen, hier ein paar Reime aus der Feder von Tomas Tranströmer:

Ein Telephongespräch lief in die Nacht aus und glitzerte
im Land und in den Vorstädten.
Danach schlief ich unruhig im Hotelbett.
Ich ähnelte der Nadel eines Kompasses, den der
Orientierungsläufer mit pochendem Herzen durch den Wald trägt.

In einer Woche startet die Frankfurter Buchmesse. Ehrengast in diesem Jahr ist Island.

Foto: Tide – Treibholz und Feinkost

Zugegeben im ersten Moment erschien mir der Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse eine eher ausgefallene Wahl zu sein. Hatte ich doch unter Island bis zu meiner Recherche für diese Seite nur Asche speiende Vulkane, kollabierende Banken und eine eigenwillige Sängerin schräger Töne abgespeichert. Zum Thema Schriftstellerei und Island fiel mir wenig ein.

Doch damit stehe ich vermutlich nicht alleine. Wie viele Bücher isländischer Autoren hat Otto-Normal-Leser vor diesem Bücherherbst gelesen? Die Kriminalromane um Kommissar Erlendur Sveinsson von Arnaldur Indridason? Vielleicht. Die naturspirituellen Werke des Björk-Lied-Texters Sjón? Schon unwahrscheinlicher. Den sozial- und politikkritischen Roman „Atomstation“ von Islands Nobelpreisträger Halldór Laxness? Wohl eher nicht. Zu lange her. Augenscheinlich wird es Zeit, dass wir unser nordeuropäisches Nachbarland als Ehrengast auf unserer wichtigsten Buchmesse begrüßen.

Denn die Frankfurter Buchmesse mit ihren 7.400 Ausstellern und nahezu 300.000 Besuchern ist ganz großer Bahnhof. Allein der deutschsprachige Markt bietet fast 100 Millionen potenzielle Leser. Und mit dem Ehrengastauftritt kommen jetzt rund 200 neu übersetzte isländische Bücher in die deutschen Buchhandlungen. Darunter 80 Romane, Kurzprosa- und Lyrikbände, 20 Anthologien, sowie eine fünfbändige Neuausgabe der Isländersagas. Außerdem eine Vielzahl an Sachbüchern zur Geschichte, Politik, Sprache und Kultur Islands. Eine enorme Entwicklung, im Jahr 2000 waren gerade einmal neun isländische Titel ins Deutsche übersetzt worden.

Und bei genauerem Hinsehen entpuppt sich Island dann auch als geradezu prädestiniert für den Auftritt auf der großen Bühne. Ist die isländische Literaturszene doch alles andere als eintönig. Angefangen mit der Edda (zweier Bände skandinavischer Götter- und Heldensagen) und den Sagas (der frühen Prosa des Mittelalters) mit ihren Göttern und Fabelwesen bis hin zur zeitgenössischen Belletristik bietet die Literaturgeschichte des nordeuropäischen Inselstaates sehr viel Lesenswertes.

Und gemessen an seiner Einwohnerzahl hat Island gar die weltweit größte Dichte an Literaten. Denn statistisch betrachtet schreibt jeder vierte Isländer in seinem Leben zumindest einen Roman oder Gedichtband. Und seit 1955 ist Island auch das Land mit der größten Literaturnobelpreisträger-Dichte weltweit.

Foto: Tide – Treibholz und Feinkost

Aus diesem Grund stellt das Lesen ist schön in den nächsten Tagen eine Auswahl der lesenswertesten Neuerscheinungen isländischer Bücher in deutscher Sprache vor. Darunter:

Steinar Bragi, Frauen: Ein verstörender Thriller. Eine junge Künstlerin reist dem Vater ihres toten Kindes nach Island hinterher, hütet in Reykjavík ein Luxusapartment, wird von ihrer großen Liebe zurückgewiesen, versinkt in Depression und Sucht und erkennt zu spät,  dass sie in eine Falle gelockt wurde.

Huldar Breidfjörd, Liebe Isländer: Eine Auszeit im isländischen Winter. Ein junger Reykjavíker kauft sich einen Jeep und fährt zwei Monate durch die entlegensten Winkel seines Heimatlandes, trifft die verschiedensten Menschen und findet ein Stückchen zu sich selbst.

Einar Már Gudmundson, Vorübergehend nicht erreichbar: Ein Buch wie eine Sitzung der anonymen Alkoholiker. Die Liebesgeschichte zweier Süchtiger, die einander Hoffnung und Kraft geben, gesund zu werden. Und eines Autors, der sich in seinen eigenen Roman mit hineinschreibt.

Hallgrímur Helgason, Eine Frau bei 1.000 Grad: Die 80jährige Herbjörb lebt mit ihrem Laptop und einer alten Handgranate in einer Garage, surft durchs Internet und erinnert sich an ihr bewegtes Leben. Eine skurrile Reise durch die Geschichte des 20. Jahrhundert vom Autor von 101 Reykjavík.

Andri Snaer Magnason, LoveStar: In einer Welt, in der ein Konzern den Tod vermarktet und die Liebe organisiert, leistet ein junges unerschrockenes Paar Widerstand und rettet eine Liebe, die es eigentlich gar nicht geben dürfte.

Steinunn Sigurdardottír, Der gute Liebhaber: Nach 17 Jahren kehrt ein Mann zum Haus seiner ersten Liebe nach Island zurück, erkennt dass er zu spät kommt, geht wieder und landet im Haus einer anderen. Ein Buch über die mitunter mühsame Suche nach Liebe.

Göran Tunström, Der Mondtrinker: Der Ich-Erzähler Pétur erinnert sich an seinen plötzlich verstorbenen Vater Halldór. Eine Kindheit in Island und eine außergewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung.

– Herzlichen Dank an Tide – Treibholz und Feinkost für die wunderschönen Island-Bilder! –

Zum Welttierschutztag: Klassiker der Kinderliteratur mit Tieren in den Hauptrollen

Fotos: Thienemann, Rowohlt, dtv

Heute ist Welttierschutztag. Eine gute Gelegenheit, die zehn schönsten Tierbuch-Klassiker für Kinder vorzustellen.

Platz 1: Michael Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch. Zwei extrem menschliche Tierchen (ein Kater und ein Rabe, beide eher unbegabte Spione) retten gemeinsam die Welt vor den Gräueltaten eines bösen Zauberers und einer Hexe. Der Wunschpunsch ist eine mit Anspielungen gespickte Parabel auf das Zusammenleben von Mensch und Tier, Literatur, Kulturgeschichte und Drogenkonsum und zugleich wahrscheinlich Michael Endes lustigstes Buch.

Platz 2: Roald Dahl, Ottos Geheimnis. Eines der unbekannteren Kinderbücher des Großmeisters des schwarzen Humors. Bebildert von Quentin Blake. Darin erzählt Roald Dahl wie der schüchterne Herr Hüpfenstich sich in das Herz seiner Nachbarin, Frau Silber mogelt, die eigentlich nur Augen für ihre Schildkröte hat.

Platz 3: Christine Nöstlinger hat mehr als 100 Bücher für Kinder aller Altersgruppen geschrieben. Und dabei die Probleme jeden Alters ernst und zugleich aufs Korn genommen. Die Hauptrollen in ihren Romanen „Man nennt mich Ameisenbär, Pfui Spinne“ oder „Maikäfer flieg“, spielen allesamt keine (!) Tiere. Egal, Christine Nöstlinger (die übrigens im November die Ehren CORINE 2011 für ihr Lebenswerk erhält) verdient trotzdem Platz 3.

Platz 4: Uwe Timm, Rennschwein Rudi Rüssel. Als die kleine Zuppi bei einer Tombola ein lebendiges Ferkel gewinnt, geht die Geschichte um eine fünfköpfige Familie und ihr ungewöhnliches Haustier erst los. Uwe Timms Kinderbuch hat den Jugendliteraturpreis gewonnen und wurde verfilmt.

Platz 5: Erwin Moser, Ein Käfer wie ich. Mehlkäfer Mehlis für seinen Geschmack viel zu aufregende Erlebnisse in der Menschenwelt – eigenfüßig von ihm aufgeschrieben und vom Autor illustriert.

Platz 6: Luis Murschetz: Der Maulwurf Grabowski. Als Grabowskis Höhle unter einer grünen Wiese einer Baustelle zum Opfer fällt, muss sich der wohl berühmteste Maulwurf der Kinderliteratur ein neues Zuhause suchen.

Platz 7: E. B. White, Wilbur und Charlotte: Eine kluge Spinne beschützt ein Ferkel vor der Schlachtbank. Indem Spinne Charlotte Nachrichten in ihre Netze einwebt, rettet sie dem kleinen Schwein Wilbur das Leben.

Platz 8: Simon und Desi Ruge, Katze mit Hut. Das Buch erzählt die Geschichte einer toleranten Katze, die in Stackeln an der Kruke in ein leerstehendes Haus zieht und darin eine kuriose Tier-WG gründet.

Platz 9: William Horwood, Die Flucht des Adlers. Die Geschichte um die Flucht eines jungen Adlers aus dem Londoner Zoo beruht auf einer wahren Begebenheit

Platz 10: Ursula Bruns, Dick und Dalli und die Ponys. Denn ein Pferdebuch zumindest gehört auch in diese Reihe. Auf dem heiteren Roman um zwei Schwestern und das Ponygestüt ihrer Großmutter beruhen die ersten drei Immenhof Filme.

Was vergessen? Ja! Nils Holgersson, Der Wind in den Weiden, Dr. Dolittle, Das Dschungelbuch, Lassie, … Fortsetzung folgt.

 

Verlagsschließung – und dann?

Foto: Eichborn Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Woche kündigte der Eichborn Verlag seine Schließung an. Eigentlich wollte das Frankfurter Verlagshaus 2011 mit dem Aufbau-Verlag fusionieren und nach Berlin übersiedeln. Doch dann kam alles ganz anders, und am 16. Juni meldete Eichborn wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz an. In den letzten Wochen hatte der Gläubigerausschuss verschiedene Übernahmeangebote geprüft und zuletzt alle abgelehnt. Werden keine neuen Angebote eingereicht, wird der insolvente Verlag im Juni 2012 geschlossen.

Für das Lesen ist schön Anlass, um einmal genauer nachzufragen, was eine solche Verlagsschließung  für Gläubiger und Autoren bedeutet.

Dieter Muscholl, Pressesprecher des Eichborn Verlages und Susanne Barwick, Rechtsanwältin in der Rechtsabteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels antworten.

das Lesen ist schön (dLis): Herr Muscholl, was bedeutet eine Verlagsschließung für die Gläubiger, was für die Autoren?

Dieter Muscholl: Pauschal lässt sich jetzt noch nicht voraussagen, was die Ankündigung der Verlagsschließung für Gläubiger und Autoren bedeutet. Es gab allerdings schon einen Autor, der sein Projekt nach dem Insolvenzantrag zurückgezogen hat.

dLis: Ist so eine Verlagsauflösung eine Chance für andere Verlage, sich die Rosinen aus dem Programm herauszupicken und abzuwerben? Oder suchen sich renommierte Autoren ihren Verlag selbst aus und diktieren die Preise?

Dieter Muscholl: Verlage werben ohnehin permanent anderen Verlagen Autoren ab  – da ist die Branche nicht anders als der Profisport. Für den Fall, dass es zu keiner Komplettübernahme des Eichborn Verlags kommt  – und so sieht es ja momentan aus – ist es natürlich im Interesse der Gläubiger, dass die Autorenrechte gewinnbringend verkauft werden.

dLis: Frau Barwick, was passiert im Falle der Schließung eines Verlages mit den Verträgen der Autoren? 

Susanne Barwick: Das kann man nicht pauschal beantworten, denn im Detail ist das abhängig von den Verträgen zwischen Verlag und Autoren. Grundsätzlich gilt: Im Fall der Schließung eines Verlages fallen alle Rechte zunächst an die Autoren zurück. Das heißt, es liegt in Händen jedes einzelnen Autors, sich einen neuen Verlag zu suchen.

dLis: Was passiert, wenn ein Verlag verkauft wird?

Susanne Barwick: Wenn ein  Verlag nur bestimmte Buchrechte an andere Verlage überträgt, muss laut §34 I Urhebergesetz jeder betroffene Autor zustimmen. Wird ein Verlag komplett von einem anderen Verlag übernommen, können die Nutzungsrechte ohne Zustimmung an den Käufer übertragen werden. Es gibt aber auch eine Ausnahme der Ausnahme: Wenn es schwerwiegende Gründe gibt, warum einem Autor eine solche Übernahme nicht zumutbar ist, kann er der Übertragung der Nutzungsrechte an seinem Werk widersprechen. Das steht in §34 III Urhebergesetz.

dLis: Können einem Autor durch die Schließung eines Verlages und ggf. im Vorfeld nicht geleistete Marketingmaßnahmen nicht auch hohe Schadensersatzansprüche gegenüber dem insolventen Verlag entstehen? 

Susanne Barwick: Auch das ist von den einzelnen Verträgen und ihren Klauseln zwischen Verlag und Autor abhängig. Zunächst einmal hat ein Verlag nach Vertragsabschluss die Pflicht, das Manuskript zu veröffentlichen: Ebenso wie der Autor sich verpflichtet, dem Verlag den Text und die Nutzungsrechte zu Verfügung zu stellen, verpflichtet sich der Verlag, das Manuskript zu vervielfältigen und zu verbreiten. Kommt der Verlag nun dieser Pflicht nicht nach, kann der Autor ihn natürlich auf Schadensersatz oder Erfüllung verklagen. Hat der Verlag das Buch gedruckt, ist seine Hauptpflicht bereits erfüllt und zusätzliche Ansprüche können nur schwer geltend gemacht werden. Existiert der Verlag rechtlich gar nicht mehr, tritt sogar eine Unmöglichkeit ein. In diesem Fall ist es fraglich, ob dem Autor überhaupt Ansprüche verbleiben. Aber auch hier gilt, dass jeder Vertrag im Einzelnen zu prüfen ist.

dLis: Enthalten gängige Autorenverträge auch Vereinbarungen über weitere Auflagen?

Susanne Barwick: Der Verlag lässt sich vom Autor meistens die Nutzungsrechte für alle Auflagen und Ausgaben einräumen, ist jedoch erst einmal nur zur Vervielfältigung und Verbreitung der ersten Auflage verpflichtet. Lehnt er danach weitere Auflagen ab, hat allerdings der Autor im Gegenzug das Recht, die Nutzungsrechte zurückzurufen, nachdem er dem Verlag eine angemessene Frist zur Nachauflage gesetzt hat.

dLis: Was geschieht im umgekehrten Fall eigentlich nach einer Verlagsschließung mit den verbleibenden Bücherbeständen? 

Susanne Barwick: Für diesen Fall sieht das Gesetzbuch keine Patentlösung vor, das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Stirbt ein Verleger beispielsweise, kann ein Dritter seine Aufgaben übernehmen  und den Abverkauf bestehender Buchbestände an den Handel organisieren. Dann muss der Autor natürlich auch ein Honorar erhalten. Es ist aber auch möglich,  dass die Bücher vernichtet und ihre Autoren aufgefordert werden, sich neue Verleger zu suchen.

Mut zur digitalen Lektüre

Foto: dLis

Was macht man so am Sonntag Mittag, mit leichtem Kater von der Wiesn, wenn der Herbst Sommer spielt? Man setzt sich in den Garten, trinkt Kaffee und liest Zeitung. Und selbstverständlich lese ich ganz traditionell Zeitung. Mit schmerzenden Armen hoch über dem Kopf und nicht via Smartphone oder mit Laptop auf dem Schoß.

So kurz nach dem Aufwachen ist es doch auch ganz schön, mal nicht unbegrenzte Informationsmöglichkeiten zu haben, sondern einfach nur das lesen zu können, was auf dem Seiten 15 bis 24 der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende steht. Im Feuilleton-Teil nämlich, den ich grad über mir in die Luft halte.

Und: Johannes Boie, dem Autor des Leitartikels, geht es wie mir. Er kann sich auch noch nicht so recht vorstellen, in Zukunft immer digitaler zu lesen. Er mag Papier. Und vielleicht gehört auch er zu den Menschen, die in fremden Wohnzimmern immer erst einmal das Bücherregal scannen, um nach etwaigen gemeinsamen Lesevorlieben zu suchen.

Und so fragt auch er sich, im Zuge der Digitalisierung aller unserer Lebensbereiche und mit zunehmender Präsenz von E-Books, wird es künftig keine Bücherregale mehr geben? Und schwappt dann auch dieser Teil der Selbstdarstellung ins Internet über?

Ja, Bücherregale nennt Boie Mittel zur Selbstdarstellung. Sind sie das nicht auch? Hand aufs Herz. Ich gebe zu, ich habe ein doppelreihig belegtes Bücherregal im Wohnzimmer stehen. Aber bisher dachte ich nicht, dass es ein Vorzeigeregal wäre. Dass ich meinen Besuchern damit zeigen wollte, seht her, was ich alles gelesen habe. Sondern, dass ich damit nur meine Leidenschaft zur Schau stelle. Und meinen papierenen Freunden ein zu Hause gebe.

Aber vermutlich komme ich aus der Nummer so leicht nicht raus. Wenn ich meine gut 800 Bücher sichtbar in das Besuchszimmer meiner Wohnung stelle, will ich wohl auch mit ihnen gesehen werden.

Habe ich etwa nur deshalb so meine Schwierigkeiten mit E-Books? Und ist das analoge Lesen nicht auch nur eine romantische Verklärung von Leineneinband und Pappbuchdeckel? Halte ich nicht nur daran fest, um meinen kauzigen Buchrückentick zu pflegen? (Ich lese Taschenbücher mit dem unbedingten Vorhaben ihren Buchrücken nicht durch eine Längsfalte zu entstellen, stets nur halb aufgeschlagen in leicht verkrampfter Pose des Hineinlugens.)

Das sind doch keine vertretbaren Gründe für ein fortschrittsabgewandtes Denken. Das E-Book ist schließlich praktisch, da klein, handlich und mit schier unendlichem Bücherspeicherplatz bestückt. Ein Umstieg aufs digitale Lesen würde es mir glatt ermöglichen, 15 Quadratmeter Wohnfläche einzusparen. Von dem Weniger an Mietkosten, könnte ich mir viel Literatur aufs E-Book laden.

Bekäme ich mein SZ-Abo aufs E-Book, müsste ich auch nicht mehr einmal monatlich tütenweise Altpapier zur Tonne am Ende der Straße schleppen. Und wenn ich den PR-Manager eines großen japanischen Elektronikherstellers und E-Book-Anbieters auf der IFA richtig verstanden habe, kann ich inzwischen sogar ins elektronische Buch hineinkritzeln. Textpassagen unterstreichen. Anmerkungen an den Rand schreiben.

Also warum nicht mal etwas Neues wagen? Ein erster Schritt in Richtung Lesen der Zukunft: Meine Teilnahme am eBookcamp am 5. November in Hamburg. An sonnigen Sonntagmittagen lese ich aber auch in Zukunft am liebsten analog.

Wir sind doch von gestern

Foto: dLis

So schätzt zumindest Hans Rosling unser Verständnis von Bevölkerungswachstum ein. „Wir betrachten die Welt oft noch genauso wie die Menschen in den 60er Jahren“, sagt Rosling (62, Arzt und Berater der WHO und UNICEF) im Interview mit der Zeitschrift Neon. Aktueller Anlass: Ende des Jahres werden sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben.

Und viele gut gebildete, scheinbar aufgeklärte und interssierte Menschen in Mitteleuropa machen auch heute noch die Entwicklungshilfe verantwortlich für die Bevölkerungsexplosion, vor der wir uns gegenwärtig alle fürchten. Wir haben Angst vor Wasserknappheit, Verteilungskriegen und einer Zuspitzung von Treibhauseffekt und Klimawandel, wenn plötzlich drei Milliarden Menschen mehr Auto fahren. Und viele von uns glauben, würden die armen Länder dieser Welt auch in Zukunft arm bleiben, wäre es gar nicht so weit gekommen.

„Bloß“, so Rosling, „es ist umgekehrt richtig. Nur solange immer noch 20 Prozent der Weltbevölkerung in absoluter Armut leben, werden wir eine rasante Bevölkerungszunahme beobachten“. Punkt. Das ganze Interview ist in der Oktoberausgabe der Neon zu lesen – die darin erklärten Aspekte des Bevölkerungswachstums wissenswert.

Die Lesenswertliste der Woche

Damals mit 15 hat uns das „Jetzt-Magazin“ so manchen Beginn einer Schulwoche versüßt. Jeden Montag lag das Jugendmagazin (das heute nur noch online existiert) der Süddeutschen Zeitung bei. Hielten wir es in Händen, blättern wir zu allererst auf die letzte Seite. Dort veröffentlichte „Jetzt“ allwöchentlich die großen und kleinen Dinge, die das Leben damals lebenswert machten in einer Liste. Das Ranking bestimmten die Leser des „Jetzt-Magazins“ –  wir – die zu diesem Zweck ihre persönlichen Lebenswertlisten oder nur einzelne Punkte daraus per Fax oder Brief an die Redaktion schickten. Nicht nur einmal entdeckten wir unsere Vorschläge in der Liste wieder.

In Erinnerung an diese schöne Zeit und das leider schon vor vielen Jahren in dieser Form eingestellte „Jetzt-Magazin“ möchte ich ab sofort auf dieser Seite einmal in der Woche eine Lesenswertliste veröffentlichen und darin all die lesenswerten, hörenswerten und sehenswerten Texte und Bilder vorstellen, die für mich die letzte Woche lebenswert gemacht haben.

Gerne greife ich in Zukunft auch Eure Ideen in der Liste auf, drum kommentiert, postet oder mailt mir auch Eure persönlichen Lesenswert-Listen!

Meine Lesenswertliste der Woche:

Platz 1. Andri Snaer Magnason: LoveStar, mein Buch der Woche. Denn Magnasons schräges Zukunftsszenario erinnert mich an Orwell oder Huxley und ich bin gespannt, ob die Guten diesmal eine Chance haben, denn natürlich leisten auch hier zwei unerschrockene Idealisten Widerstand gegen den vermarkteten Tod und die organisierte Liebe

Platz 2. Lucky Luke: Das Greenhorn, denn die Ernennung Jean-Yves Ferris zum künftigen Asterix-Texter, hat mich daran erinnert, welch großartige Worte René Goscinny den unbeugsamen Galliern, aber auch dem einsamen Cowboy in den Mund zu legen vermochte

Platz 3. Das Hörbuch zu Julia Francks: Die Mittagsfrau, denn die Buchpreisgewinnerin von 2007 liest ihren Roman selbst vor – leise, pointiert und packend

Platz 4. Doris Dörrie: Alles inklusive, denn der neue Roman der Schriftstellerin, Theater- und Filmemacherin ist nicht nur eine manchmal komisch, manchmal tragisch anmutende und mit Wortwitz gespickte Lektüre, sondern eignet sich auch ausschnittsweise sehr gut zum Vorlesen

Platz 5. Kürzlich darüber gesprochen, jetzt wieder einmal hineingelesen: Armistead Maupin: Stadtgeschichten (in 5 Bänden). Eine bunte Soap Opera über eine im San Francisco der End-70er lebende Wohngemeinschaft

Platz 6. Diese Woche wiederentdeckt: Saskia Hula und Karsten Teich: Windig und Wolkenbruch. Ein herzerfrischendes Kinderbuch, das sich auch bestens als Geschenk für extremsport- und abenteuervernarrte Erwachsene eignet

Platz 7. Karl Valentin, Gerhard Polt, Toni Berger u.a.: Auf gehts zur Wiesn – Ein Oktoberfest-Spaziergang, zur Einstimmung aufs letzte Wiesnwochenende für dieses Jahr

Platz 8. Die kuriosesten Buchtitel 2011, ohne Worte!

Platz 9. Garon Tsuchiya, Nobuaki Minegishi: Old Boy, denn den japanischen Manga zum preisgekrönten Film legte ich einmal angelesen nicht mehr aus der Hand, bis zur letzten Seite. Doch dann der Schock, das Rätsel um Goto, der ohne zu wissen von wem und warum zuerst zehn Jahre eingesperrt und dann plötzlich freigelassen worden war, wird nicht aufgelöst. Denn Old Boy hat vier Bände. Und man bestellt sofort den nächsten..

Platz 10. Twitter. In dieser und vermutlich auch den nächsten Wochen unersetzliches Recherchetool und Quelle vieler witziger, skurriler, spannender, und informativer Inhalte, die mich zu Themenideen für diese Seite inspirieren

Extrem laut und unglaublich nah – Der Trailer zum Film

Foto: Verlag Kiepenheuer & Witsch

Der Trailer zur Verfilmung von Jonathan Safran Foers „Extrem laut und unglaublich nah“ ist veröffentlicht. Und es lohnt hineinzusehen. Denn Foers Roman um den kleinen Oskar, der  bei den Terroranschlägen von 9/11 seinen Vater verliert und mit Hilfe eines Schlüssels versucht Antworten auf alle Fragen seines unglücklichen Lebens zu finden, erzählt nicht nur von der Trauerarbeit eines Neunjährigen. Es geht auch um die Verarbeitung eines Schocks, den ein ganzes Land erlitten hat. Umso spannender zu sehen, wie die Verfilmung mit der Achillesferse der Amerikaner umgeht. Verkommt „Extrem laut und unglaublich nah“ zum Hollywoodkitsch mit Starbesetzung (in den Hauptrollen: Tom Hanks und Sandra Bullock) oder wird daraus – wie Regisseur Stephan Daldry (The Hours, Billy Elliot, Der Vorleser) hoffen lässt – nicht nur ein Anwärter auf den Oscar 2012, sondern auch eine sehenswerte Literaturverfilmung, die ihrer Romanvorlage gerecht wird? Denn als Literatur darf man Foers Roman getrost bezeichnen.

Jean-Yves Ferri – ein Vorgeschmack auf den neuen Asterix-Texter

© Ferri – Larcenet – Reprodukt

Wie alte Herren sehen Asterix, Obelix und ihre schlagkräftigen Kumpanen wahrlich nicht aus. Allenfalls Methusalix wirkt etwas verwittert – aber das auch schon seit einem guten halben Jahrhundert gleichbleibend. Den anderen sieht man die 52 Jahre Schlägereien und Festbankette nicht an. Solange ist es her, dass der französische Zeichner Albert Uderzo und sein Freund René Goscinny in einer Sommernacht auf einem Pariser Balkon bei Pastis und Mondschein die unbeugsamen Gallier erfanden. Aber praktischerweise altern Comic-Helden ja nicht. Auch wenn ihre Zeichner das tun. Viele Comic-Figuren leben sogar nach dem Tod ihrer Erfinder weiter.

So plante auch Asterix‘ letzter lebender Verwandter Albert Uderzo (84) seine Nachfolge: Der erklärte am Montag bei einem Empfang anlässlich einer erreichten Weltauflage von 350 Millionen Asterix-Bänden seinen Rücktritt. Weil die Welt aber ein Recht auf die Fortsetzung der Abenteuer von Asterix und Obelix hat, hat Uderzo schon vor geraumer Zeit seinen Nachfolger gesucht und gefunden, bislang jedoch nicht verraten. Der Figaro lüftete gestern das Geheimnis: Der als schüchtern aber humorvoll geltende Jean-Yves Ferri wird neuer Asterix-Texter und ist damit ab sofort hauptberuflich dafür verantwortlich, dass der Himmel den renitenten Galliern nicht auf den Kopf fällt.

Bereits 2012 wird sein erster Band in der Comic-Reihe erscheinen. Die Liebhaber des feinsinnigen Humors eines Goscinny erhoffen sich jetzt von Ferri eine Rückkehr zu Wortwitz und Situationskomik der frühen Abenteuer. Das Lesen ist schön zeigt Euch hier schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf Jean-Yves Ferri: Ausschnitte seiner Texte in Manu Larcenets  „Die Rückkehr aufs Land“, dessen zweiter Teil im Frühjahr bei Reprodukt erscheinen wird.

© Ferri – Larcenet – Reprodukt

© Ferri – Larcenet – Reprodukt