Schlagwort: Sarah Thornton

Die Schenkenswertliste 2011

Diese Woche aus aktuellem Anlass: Die Schenkenswertliste 2011 mit Antworten auf die zehn meist gestellten Geschenkefragen.

1. Was schenke ich bloß meiner Mutter? – Meine Mutter interessiert sich für Kunst und Kultur, geht oft in Ausstellungen oder ins Theater. Aber kennt sie sich in der Gegenwartskunst aus? Hat sie eine Vorstellung vom Kunstbetrieb heute? Ich vermute nicht, denke aber, es könnte sie interessieren, deshalb schenke ich ihr Sarah Thornton, Sieben Tage in der Kunstwelt.

2. Was schenke ich bloß meinem Vater? – Meinem Vater schenke ich ein Buch von Jared Diamond. Diamond ist Professor für Physiologie an der Universität von Kalifornien, in Los Angeles, Pulitzerpreis-Träger und schreibt in verständlicher Sprache wissenschaftlich fundierte aber sehr kurzweilige Sachbücher. In deutscher Sprache sind erschienen:

  • Arm und Reich (über den Einfluss von Klima und Geographie auf die Verteilung von Armut und Reichtum in menschlichen Gesellschaften)
  • Kollaps (über die Gründe des Untergangs von Hochkulturen)
  • Der dritte Schimpanse (über die Evolution und die Zukunft des Menschen).

3. Was schenke ich bloß meiner besten Freundin? Die beste Freundin ist besonders schwierig zu beschenken, weil mir für sie immer so viele (!) Ideen in den Sinn kommen. Gleichzeitig sind die Erwartungen hoch: Wer schließlich sollte besser wissen, worüber sie sich freut, wenn nicht ich? Der Ausweg aus diesem Dilemma: Dieses Jahr bekommt meine beste Freundin das Buch, was mich in letzter Zeit am meisten begeistert hat, und zwar.. naja.. immer noch schwierig.. hmm.., na gut, also: Alex Capus, Léon und Louise. Eine sehr romantische, aber gar nicht kitschige französische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund zweier Weltkriege.

4. Was schenke ich bloß meinem besten Freund? – Ein Comic! Oder gar zwei? Denn in letzter Zeit haben mich zwei Comics, oder wie viele Verlage heute vornehm sagen „Graphic Novels“, begeistert: Garon Tsuchiya, Nobuaki Minegishi, Old Boy, den vierteiligen japanischen Comic, um einen Mann, der zehn Jahre in einer Zelle gefangen gehalten wird, ohne zu wissen, von wem und warum und dann plötzlich in die Freiheit entlassen wird. Oder die zweibändige Graphic Novel Berlin von Jason Lutes: Die Kunststudentin Marthe Müller und der Journalist Kurt Severing lernen sich während der letzten Jahre der Weimarer Republik in Berlin kennen. Vor dem Hintergrund zeitgeschichtlicher Ereignisse verknüpfen sich ihre privaten Schicksale immer enger mit den politischen Umbrüchen jener Tage. Eine kurzweilige aber eindrucksvolle Geschichtsstunde!

5. Was schenke ich bloß meinem kleinen Bruder? – Wie wäre es mit einer Coming-of-age-Geschichte? Tschick von Wolfgang Herrndorf erzählt die Geschichte zweier 14jähriger Außenseiter und ihres abenteuerlichen Sommer-Roadtrips durch Ostdeutschland. Tschick wurde in diesem Jahr mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

6. Was schenke ich bloß meiner Schwiegermutter? – Mit Schwiegermüttern oder solchen, die es einmal werden könnten, ist das ja immer so eine Sache: Sobald sie selbst beginnen, Geschenke zu machen, muss man auch eine Kleinigkeit zurückschenken. Nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu förmlich, aber auch nicht zu vertraulich. Nicht so einfach! Ich empfehle daher in diesem Jahr ein Koch-Hörbuch von audio cook: Im Zwiegespräch mit BR-Radiomoderator Taufig Khalil kochen hier Sterneköche in Echtzeit Rezepte vor und verraten, während es im Hintergrund brutzelt, wie das Gericht garantiert gelingt. Und das funktioniert! Selbst mir völlig unbegabter Hobbyköchin sind mittels der Audio-Ratschläge von Sternekoch Hans Haas mehr als anständige Zwetschgenknödel gelungen..

7. Was schenke ich bloß meinem Kollegen? –  Mein Kollege ist ein Mann der Tat, somit ernenne ich ihn mit meinem Weihnachtsgeschenk kurzerhand zum Betriebssportbeauftragten für 2012: Damit wir alle ohne Rückenschmerzen ins neue Jahr starten, schenke ich ihm Eric Czotscher, Danja Hetjens, Yoga-Tools für Super-Manager.

8. Was schenke ich bloß last minute, wenn mir am 24. Dezember morgens einfällt, dass ich jemanden vergessen habe? – Elke Heidenreich, Michael Sowa, Erika. Eine heiter melancholische Weihnachtsgeschichte um ein rosarotes Plüschschwein – als Hörbuch von der Autorin gelesen, noch ein bisschen besser!

9. Was schenke ich bloß meinem neuen Freund? – Insbesondere, wenn man sich noch nicht so gut kennt, eine schwierige Frage. Ein klarer Fall für die absoluten Lieblingsbücher: Nach dem Motto, willst Du etwas über mich wissen, lies dieses Buch! In meinem Fall: Gabriel García Márquez, 100 Jahre Einsamkeit. Und was sagt das über mich aus?

10. Was schenke ich bloß meiner kleinen Nichte? – Gute Kinderbücher haben ja immer den Nachtteil, dass sie sich so schnell herumsprechen. Somit ist es nur wahrscheinlich, dass die kleinen Nichten dieser Welt den Grüffelo alle schon längst kennen. Aus diesem Grund empfehle ich hier die, wie ich hoffe, unbekanntesten Kinderbücher eines meiner liebsten Autoren, nämlich Roald Dahl, der für jede Alterklasse mindestens ein Buch geschrieben hat.

  • Für die kleine kleine Nichte (ab 5): Ottos Geheimnis, eine zauberhafte Liebesgeschichte rund um eine vertauschte Schildkröte. Mit Bildern von Quentin Blake
  • Für die schon etwas größere Nichte (ab 8): Hexen Hexen. Eine spannende Geschichte über kleinen Jungen, dem es gelingt den teuflischen Plan der Hexenversammlung Großbritanniens zu durchkreuzen.
  • Für die noch etwas größere Nichte (ab 10): Danny und Die Fasanenjagd. Wildern für Fortgeschrittene. Ein spannender Familienroman über ein abenteuerliches Jagderlebnis.

Die Lesenswertliste der Woche

Platz 1. Jonathan Franzen, Freiheit: Die sozialpsychologische Familiensaga des Jahres.

Platz 2. Philip Roth, JedermannDas Hörbuch gelesen von Peter Fitz: Dieses (Hör)Buch (be)trifft jedermann, denn Roth erzählt, wie es ihm und uns allen geht – in Beziehungen, in der Familie, im Beruf und im Alter.

Platz 3. Kazuo Ishiguro, Was vom Tage übrigblieb: Die gesellschaftskritischen Betrachtungen eines Butlers, der sich Kritik nie erlauben würde, und zugleich eine traurigschöne Liebesgeschichte. Das Buch zum Film mit Emma Thompson und Anthony Hopkins. Wer beides noch nicht kennt, sollte das Buch wählen! Die Sprache ist sogar in deutscher Übersetzung ein Genuss.

Platz 4. David Sedaris, Schafft die Yaya raus, Hörbuch, gelesen von Harry Rowohlt, Gerd Haffmanns, Gustav-Peter Wöhler: Die schrägsten und besten Geschichten der Familie Sedaris.

Platz 5. Andrea de Carlo: Zwei von zwei: Mario und Guido lernen sich 1968 in der Schule in Mailand kennen und werden beste Freunde. Um die Ideale ihrer Jugend umzusetzen, schlagen sie unterschiedliche Wege ein. Die Geschichte einer Freundschaft und einer Generation. Einer der besten De Carlos überhaupt mit Figuren voller Lebenshunger und Gefühl.

Platz 6. Sarah Thornton, Sieben Tage in der Kunstwelt: Dass die Autorin deutlich länger als sieben Tage in der Kunstwelt unterwegs war, um diesen unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen zu verfassen, kann man aus jeder Seite herauslesen. Tatsächlich ist Soziologin Sarah Thornton ihrer Begeisterung für Gegenwartskunst gefolgt und hat beinahe sieben Jahre recherchiert, um das Hintergrundwissen für ihren vergnüglichen Sieben-Tages-Trip vom Auktionssaal, auf die Art Basel, in den Hörsaal einer Kunsthochschule usw. zu sammeln. 

Platz 7Morris, Lucky Luke – Die Erbschaft des Rantanplan: Der an chronischer Selbstüberschätzung leidende dümmste Hund des Wilden Westens in seiner größten Rolle.

Platz 8. Mario Vargas Llosa, Das böse Mädchen: Die Geschichte eines weiblichen Felix Krull und einer nicht immer gesunden Liebe in den 50er bis 80er Jahren des 20. Jahrhunderts auf drei Kontinenten.

Platz 9. W. Sommerset Maugham: Regen, Hörbuch, gelesen von Friedhelm Ptok, Hans Korte, Marietta Bürger, Werner Rehm: Mit scharfer Beobachtungsgabe verfasste Kurzgeschichten in klarem prägnanten Stil.

Platz 10. Jana Scheerer, Mein Vater, sein Schwein und ich: Eine liebevoll schräge Hommage an die Kindheit.