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Zum Deutschen Buchpreis: Meine Shortlist 2014

imageAlle Jahre wieder: Am 6. Oktober, zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse, wird zum zehnten Mal der mit insgesamt 37.500 Euro (25.000 Euro + 5x 2.500 Euro) dotierte Deutsche Buchpreis vergeben.

Mediale Aufmerksamkeit ist allen Nominierten sicher. Die ausgezeichneten Titel avancieren sogar regelmäßig zu Bestsellern des Herbst- und Weihnachtsgeschäftes. In den Feuilletons wurde die diesjährige Juryentscheidung jedoch schon vorab kritisiert. Die Longlist sei unvollständig, beziehe die wichtigsten Bücher des Jahres nicht mit ein, auf der Shortlist fehlten die besten Titel der Longlist.

Heuer auf der Shortlist: Angelika Klüsendorf: „April“ / Lutz Seiler: „Kruso“ / Thomas Hettche: „Pfaueninsel“ / Thomas Melle: „3000 Euro“ / Getrud Leutenegger: „Panischer Frühling“ / Heinrich Steinfest: „Der Allesforscher“image

Da für mich gute Lektüre ohnehin Geschmacksache ist, habe ich die breite Kritik zum Anlass genommen, einmal meine eigene Shortlist zusammenzustellen.

Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, hierzu nicht alle 20 Titel der Longlist ganz gelesen zu haben. Vielmehr habe ich das kleine graue Büchlein zur Hand genommen, das der Börsenverein des Buchhandels herausgibt, um Autoren und Titel der Longlist jeweils mit Leseprobe vorzustellen. Wer es mir gleichtun will, das Büchlein ist kostenlos oder für 2,50 Euro in vielen Buchhandlungen erhältlich.

Longlist Büchlein 2014Hier kommt nun also meine Shortlist:

Stilistisch besonders angesprochen hat mich Lukas Bärfuss‘ „Koala“, eine Reflexion über den Selbstmord des Bruders des Autors. Der Schweizer saß ursprünglich an einem ganz anderen Roman, als er die Nachricht vom Freitod seines Bruders erhielt und sich in der Folge entschied, dem Toten sein nächstes Buch zu widmen. In „Koala“ beschreibt er zwei grundverschiedene Männer und deren von der Verpflichtung zur familiären Bindung gekennzeichnete Beziehung. „Koala“ ist auch für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Typisch österreichisch-melacholisch, kabarettistisch anmutend und oft schwarzhumorig und damit absolut lesenswert erscheint mir auch Antonio Fians „Das Polykrates-Syndrom“. Darin erzählt der Autor auf tragisch-komische Weise wie ein Leben aus den Fugen gerät und beim Lesen schmunzele ich unwillkürlich auch an den traurigen Stellen.

Thomas Hettches „Pfaueninsel“ begeistert mich als ebenso kluger wie außergewöhnlicher Historienroman. Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert und erzählt in der Kulisse der gleichnamigen Havelinsel, einer königlichen Architektur- und Gartenbauenklave, die dramatische Liebes- und Dreiecksgeschichte der Zwergin Marie, ihres Bruders Christian und des Hofgärtnerneffen Gustav, wobei das Geschwisterpaar zunehmend erleben muss, wie die eigene Andersartigkeit sich mit dem Zeitgeist grausam verstärkt.

Die Personenkonstellation ist es, was mich an Michael Köhlmeiers Roman „Zwei Herren am Strand“ über die Begegnungen und Gespräche von Winston Churchill und Charlie Chaplin interessiert. Stilistisch hat mich Köhlmeier zuletzt in „Joel Spazierer“ begeistert, der Vorarlberger schreibt Literatur im Plauderton.

Im Falle von Christoph Poschenrieders Roman hat die Eingangsszene, in der ein gut gekleideter Mann im Berlin des Jahres 1915 säckchenweise Sand in der Stadt verstreut, mein Interesse geweckt. „Das Sandkorn“ spielt während des Ersten Weltkrieges, kommt jedoch ganz ohne Kriegsgeschehen aus und erzählt die Geschichte eines homosexuellen Archäologen auf den Spuren Friedrichs II in Apulien und natürlich die Geschichte eines Sandkorns.

Den außergewöhnlichsten wenn auch nicht gerade den uneitelsten Romaneinstieg liefert schließlich Heinrich Steinfest mit „Der Allesforscher“, der Geschichte eines Managers, der infolge eines Ubfalls mit einem Wal zum Bademeister wird. Ebenso wie die ersten Seiten des Buches macht mich diese Vorschau neugierig.

Bleibt abschließend eigentlich nur die Frage: Wer gewinnt den Deutschen Buchpreis 2014? – Mein Tipp: Lutz Seiler für seine Robinsonade „Kruso“. Dennoch werde ich diesen Roman sehr wahrscheinlich nicht lesen.

Buchpreis 2013: Ambitionierte Shortlist hin oder her – wieso nutzen die Verlage eigentlich nicht längst Apps für ihre Buch-PR?

Logo_dbp_13_RGBAm Mittwoch gab die Jury des Deutschen Buchpreises die diesjährige Shortlist bekannt und setzte mit ihrer ambitionierten Auslese zugleich ein Statement. Kritikern, die dem Preis zuletzt vorgeworfen hatten, zum Populärliteratur-PR-Spektakel zu verkommen, sollte angesichts dieser Top Sechs die Häme im Halse stecken bleiben. Die Feuilletons jedenfalls attestierten der Jury Unabhängigkeit und Mut zur Nische.

„Der Buchpreis fährt mit Begeisterung zur Hölle“, so Richard Kämmerlings in der Welt. „Eine literarisch höchst anspruchsvolle Shortlist“, nennt die FAZ die Finalisten. „Unter den sechs Kandidaten ist kein Buch, das sich einfach so ,weglesen‘ lässt.“ „S wie Sensation, Ü wie Überraschung“, titelte Spiegel Online in Anlehnung an Daniel Kehlmanns neuen Roman „F“, der es überraschend nicht auf die Shortlist geschafft hatte.

Ebenso wenig wie Uwe Timms ,Vogelweide‘, Thomas Glavinics ,Das größere Wunder‘ oder Norbert Gstreins ,Eine Ahnung vom Anfang‘. Dafür setzten sich Überraschungskandidaten wie Monika Zeiner mit ihrem bereits im Frühjahr erschienenen ,Die Ordnung der Sterne über Como‘ durch oder der kommerziell bisher verhalten erfolgreiche Büchner-Preisträger Reinhard Jirgl mit seiner düsteren Science Fiction Vision ,Nichts von Euch auf Erden‘.

Short List Buchpreis 2013Düster ist ohnehin ein passendes Stichwort für die diesjährige Shortlist, deren Themenwelten alles andere als optimistisch wirken: Die Frauen versetzen sich in Männer, die Männer ins Weltgeschehen. Und auf Frauentode – vorzugsweise Selbstmorde – trifft man in auffälliger Häufung. Die Gelisteten scheinen es bitter nötig zu haben, durch ihr Vorrücken auch in den nächsten Wochen noch weiter im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen.

Und während ich noch überlege, welchen der sechs Shortlist-Schinken ich mir in den nächsten Wochen bis zur Preisverleihung – zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse, am 7. Oktober 2013 – vornehme, sticht mir eine Neuerung ins Auge, die ich spontan viel spannender finde, als alle Nominierten, die Buchpreis-App.

Buchpreis AppDie Idee ist einfach, die App stellt alle Preisträger und Nominierten der Longlists und Shortlists von 2008 bis heute mit Kurzbiographie, Lese- und Hörprobe vor, ist verlinkt zu den Websites der Verlage und findet überdies mittels Smart Phone Ortungssystem die umliegenden Buchhandlungen. Nix ausgefallenes also und doch zeigt sie mir glasklar, wie ich mir Buch-PR in Zukunft wünsche:

Bislang flattern Monat für Monat die PR-Newsletter der Verlage in mein E-Mail-Postfach. Bin ich fleißig, lese ich mich durch seitenlange Texte, gelange via Link auf die Verlagswebsites und durch unzählig geöffnete Fenster zurück zum Ausgangpunkt. Umständlich, wenn man wie ich solche News bevorzugt in der U-Bahn auf dem Smart Phone liest. Langwierig obendrein. Und bei aller Lesefreude, die mir auch die ,Mediennutzung to go‘ nicht geraubt hat, sehr textlastig.

Wie praktisch wäre es da, für jeden Verlag eine übersichtliche mobile Applikation auf dem Smart Phone zu haben und für jedes vorgestellte Buch die Option der Lese- oder Hörprobe. Oder noch besser eine Buch-PR-App für alle monatlichen Neuerscheinungen. Ein Blick in den App Store verrät jedoch, die hübsche Vision bleibt vorerst ein Traum. Bleibt mir nur, den Verantwortlichen, Verlagen und Literatur-Agenten, aufmunternd zuzurufen: Das wär doch eine feine Idee fürs Weihnachtsgeschäft!