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Buchpreis 2013: Ambitionierte Shortlist hin oder her – wieso nutzen die Verlage eigentlich nicht längst Apps für ihre Buch-PR?

Logo_dbp_13_RGBAm Mittwoch gab die Jury des Deutschen Buchpreises die diesjährige Shortlist bekannt und setzte mit ihrer ambitionierten Auslese zugleich ein Statement. Kritikern, die dem Preis zuletzt vorgeworfen hatten, zum Populärliteratur-PR-Spektakel zu verkommen, sollte angesichts dieser Top Sechs die Häme im Halse stecken bleiben. Die Feuilletons jedenfalls attestierten der Jury Unabhängigkeit und Mut zur Nische.

„Der Buchpreis fährt mit Begeisterung zur Hölle“, so Richard Kämmerlings in der Welt. „Eine literarisch höchst anspruchsvolle Shortlist“, nennt die FAZ die Finalisten. „Unter den sechs Kandidaten ist kein Buch, das sich einfach so ,weglesen‘ lässt.“ „S wie Sensation, Ü wie Überraschung“, titelte Spiegel Online in Anlehnung an Daniel Kehlmanns neuen Roman „F“, der es überraschend nicht auf die Shortlist geschafft hatte.

Ebenso wenig wie Uwe Timms ,Vogelweide‘, Thomas Glavinics ,Das größere Wunder‘ oder Norbert Gstreins ,Eine Ahnung vom Anfang‘. Dafür setzten sich Überraschungskandidaten wie Monika Zeiner mit ihrem bereits im Frühjahr erschienenen ,Die Ordnung der Sterne über Como‘ durch oder der kommerziell bisher verhalten erfolgreiche Büchner-Preisträger Reinhard Jirgl mit seiner düsteren Science Fiction Vision ,Nichts von Euch auf Erden‘.

Short List Buchpreis 2013Düster ist ohnehin ein passendes Stichwort für die diesjährige Shortlist, deren Themenwelten alles andere als optimistisch wirken: Die Frauen versetzen sich in Männer, die Männer ins Weltgeschehen. Und auf Frauentode – vorzugsweise Selbstmorde – trifft man in auffälliger Häufung. Die Gelisteten scheinen es bitter nötig zu haben, durch ihr Vorrücken auch in den nächsten Wochen noch weiter im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen.

Und während ich noch überlege, welchen der sechs Shortlist-Schinken ich mir in den nächsten Wochen bis zur Preisverleihung – zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse, am 7. Oktober 2013 – vornehme, sticht mir eine Neuerung ins Auge, die ich spontan viel spannender finde, als alle Nominierten, die Buchpreis-App.

Buchpreis AppDie Idee ist einfach, die App stellt alle Preisträger und Nominierten der Longlists und Shortlists von 2008 bis heute mit Kurzbiographie, Lese- und Hörprobe vor, ist verlinkt zu den Websites der Verlage und findet überdies mittels Smart Phone Ortungssystem die umliegenden Buchhandlungen. Nix ausgefallenes also und doch zeigt sie mir glasklar, wie ich mir Buch-PR in Zukunft wünsche:

Bislang flattern Monat für Monat die PR-Newsletter der Verlage in mein E-Mail-Postfach. Bin ich fleißig, lese ich mich durch seitenlange Texte, gelange via Link auf die Verlagswebsites und durch unzählig geöffnete Fenster zurück zum Ausgangpunkt. Umständlich, wenn man wie ich solche News bevorzugt in der U-Bahn auf dem Smart Phone liest. Langwierig obendrein. Und bei aller Lesefreude, die mir auch die ,Mediennutzung to go‘ nicht geraubt hat, sehr textlastig.

Wie praktisch wäre es da, für jeden Verlag eine übersichtliche mobile Applikation auf dem Smart Phone zu haben und für jedes vorgestellte Buch die Option der Lese- oder Hörprobe. Oder noch besser eine Buch-PR-App für alle monatlichen Neuerscheinungen. Ein Blick in den App Store verrät jedoch, die hübsche Vision bleibt vorerst ein Traum. Bleibt mir nur, den Verantwortlichen, Verlagen und Literatur-Agenten, aufmunternd zuzurufen: Das wär doch eine feine Idee fürs Weihnachtsgeschäft!

Neue Rubrik: Mit persönlicher Empfehlung

Als mich der erste Hunger heute gefühlt mittags von der Tastatur auf die Armbanduhr blicken ließ, hatte ich unwillkürlich den Eindruck, Zeitdiebe müssten mir Stunden meiner Tageszeit geraubt haben, um sie in kleinen grauen Zigarren rauchreich zu verpaffen. Es war 15:30 Uhr. Und es geht augenscheinlich nicht nur mir so: Nur Minuten später wünschte sich mein Kollege vom Schreibtisch gegenüber eine Woche Extra-Zeit nur für sich allein, um endlich einmal alle angestaute Arbeit erledigen zu können. Bei uns anderen solle die Zeit in dieser Woche stehen bleiben. Eine traumhafte Idee für eine Bestellung beim Universum finde ich. Denn ich hetzte nur so durch meine Tage, immer auf der Flucht vor dem großen Zeiger.

Und all die schönen Dinge des Lebens kommen viel zu kurz. So auch das Lesen. – Oh weh, das sagt selbst die Buchbloggerin. – Schenke ich meiner Eimsbüttler Buchhändlerin Glauben, werden 70 Prozent aller gekauften Bücher nie gelesen. Ich wage nicht es an meinen Regalreihen nachzurechnen. Die großen Verlage, sagt meine Buchhändlerin, könnten unbesorgt die Hälfte ihrer Klappentexter entlassen. Denn das Gros der Bücherkäufer nimmt sich nicht einmal die Zeit, die kurzen Handlungszusammenfassungen zu lesen. Die meisten kaufen schlicht nach Gefallen des Covers. Das schafft Arbeitsplätze für Grafiker und bringt mich zum Nachdenken. 

Und ich beschließe, dieser Blog muss wirtschaftlicher werden. Ich kann nicht alles ganz allein lesen und erfinde eine neue Rubrik: „Mit persönlicher Empfehlung“. In Zukunft lesen die Leser hier mit und empfehlen Lesenswertes mit kurzer Inhaltsangabe und persönlicher Begründung.

Foto: dtv

Den Anfang macht Kristina (33)Opernregisseurin und Stadtführerin aus München. Kristina liest eigentlich alles, was ihr unter die Finger kommt – derzeit arbeitsbedingt vor allem Sachbücher zum Thema München. Sie empfiehlt Rot von Uwe Timm, die Geschichte des ehemaligen Achtundsechzigers, Jazzkritikers und Beerdigungsredners Thomas Linde, der soeben von einem Auto überfahrenen wurde und in der kurzen Zeitspanne zwischen Leben und Tod von den letzten Tagen und Wochen seines Lebens berichtet, von der Liebe, von seiner um zwanzig Jahre jüngeren Geliebten, von Revolution und dem Scheitern von Lebensträumen.

Kristina empfiehlt Rot, „weil es wie ein gutes Musikstück geschrieben ist und scheinbare Widersprüche in sich vereint: eine klare Struktur voller erzählerischer Verschlingungen; eine sachliche Sprache voller Dynamik; Leidenschaft und Poesie. Und nebenbei wird auch noch eine spannende Geschichte erzählt…

Zum Welttierschutztag: Klassiker der Kinderliteratur mit Tieren in den Hauptrollen

Fotos: Thienemann, Rowohlt, dtv

Heute ist Welttierschutztag. Eine gute Gelegenheit, die zehn schönsten Tierbuch-Klassiker für Kinder vorzustellen.

Platz 1: Michael Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch. Zwei extrem menschliche Tierchen (ein Kater und ein Rabe, beide eher unbegabte Spione) retten gemeinsam die Welt vor den Gräueltaten eines bösen Zauberers und einer Hexe. Der Wunschpunsch ist eine mit Anspielungen gespickte Parabel auf das Zusammenleben von Mensch und Tier, Literatur, Kulturgeschichte und Drogenkonsum und zugleich wahrscheinlich Michael Endes lustigstes Buch.

Platz 2: Roald Dahl, Ottos Geheimnis. Eines der unbekannteren Kinderbücher des Großmeisters des schwarzen Humors. Bebildert von Quentin Blake. Darin erzählt Roald Dahl wie der schüchterne Herr Hüpfenstich sich in das Herz seiner Nachbarin, Frau Silber mogelt, die eigentlich nur Augen für ihre Schildkröte hat.

Platz 3: Christine Nöstlinger hat mehr als 100 Bücher für Kinder aller Altersgruppen geschrieben. Und dabei die Probleme jeden Alters ernst und zugleich aufs Korn genommen. Die Hauptrollen in ihren Romanen „Man nennt mich Ameisenbär, Pfui Spinne“ oder „Maikäfer flieg“, spielen allesamt keine (!) Tiere. Egal, Christine Nöstlinger (die übrigens im November die Ehren CORINE 2011 für ihr Lebenswerk erhält) verdient trotzdem Platz 3.

Platz 4: Uwe Timm, Rennschwein Rudi Rüssel. Als die kleine Zuppi bei einer Tombola ein lebendiges Ferkel gewinnt, geht die Geschichte um eine fünfköpfige Familie und ihr ungewöhnliches Haustier erst los. Uwe Timms Kinderbuch hat den Jugendliteraturpreis gewonnen und wurde verfilmt.

Platz 5: Erwin Moser, Ein Käfer wie ich. Mehlkäfer Mehlis für seinen Geschmack viel zu aufregende Erlebnisse in der Menschenwelt – eigenfüßig von ihm aufgeschrieben und vom Autor illustriert.

Platz 6: Luis Murschetz: Der Maulwurf Grabowski. Als Grabowskis Höhle unter einer grünen Wiese einer Baustelle zum Opfer fällt, muss sich der wohl berühmteste Maulwurf der Kinderliteratur ein neues Zuhause suchen.

Platz 7: E. B. White, Wilbur und Charlotte: Eine kluge Spinne beschützt ein Ferkel vor der Schlachtbank. Indem Spinne Charlotte Nachrichten in ihre Netze einwebt, rettet sie dem kleinen Schwein Wilbur das Leben.

Platz 8: Simon und Desi Ruge, Katze mit Hut. Das Buch erzählt die Geschichte einer toleranten Katze, die in Stackeln an der Kruke in ein leerstehendes Haus zieht und darin eine kuriose Tier-WG gründet.

Platz 9: William Horwood, Die Flucht des Adlers. Die Geschichte um die Flucht eines jungen Adlers aus dem Londoner Zoo beruht auf einer wahren Begebenheit

Platz 10: Ursula Bruns, Dick und Dalli und die Ponys. Denn ein Pferdebuch zumindest gehört auch in diese Reihe. Auf dem heiteren Roman um zwei Schwestern und das Ponygestüt ihrer Großmutter beruhen die ersten drei Immenhof Filme.

Was vergessen? Ja! Nils Holgersson, Der Wind in den Weiden, Dr. Dolittle, Das Dschungelbuch, Lassie, … Fortsetzung folgt.